Ene mene gemeine Kuh und tot warst Du!

Lieber Sex-Tourist,

hallo, ich bin ’s doch nur. Ich missbrauchte soeben Deine Privatsphäre und dachte mir, es würde Dir gefallen, Dich mit meiner Webcam zu frohlocken, um mich mit Deiner unbescholtenen Art bekannt zu machen. Sei doch so lieb und empfange Spot(t).

Ich hoffe, auch Du suchst Trost im spontanen Live-Sex und Wa(h)re Liebe oder barer Hiebe. Habe keine Angst vor Gäng-Bäng-Style, sei nur naiv und nicht schüchtern, das macht mich reich und geil.

Nur wenn man gemeinsam hobelt, fällt genug Spam an. Nur solche prompten Triebe gefallen mir, lass auch Du Dich auf ein plumpes „Gefällt mir!“ ein und von einem K(l)ick (mehr) inspirieren. Vergiss nur nicht, Dir eine Hand freizuhalten. Und wenn Du schon einmal dabei bist, so zwischendurch innezuhalten – dann macht Hot-Spot(t) noch (mehr) Spaß, wenn Du mir Deine E-Mail-Adresse oder Dein Passwort überlässt oder Kreditkartennummer, dabei ist es (l)egal von wem – überrasche mich, von Deinen Eltern vielleicht. Von diesem Ratespiel bin ich entzückt. Lass mich Deine Naivität entfesseln.

Und hält Dich diese miese Leidenschaft auf Lebensdauer bei der Stange, nur keine Bange, auch Deinen Kindern kann das Internet noch darüber erzählen. Sein Langzeitgedächtnis wird Deine Hemmungen überdauern. Egal, wie bedeutend Du heute diese Hinterlassenschaften siehst. Kein Denkmal ist Dir ungewiss.

Was ist denn nur los mit Dir? War ich nicht zu Deiner Leidenschaft bereit genug, regt sich bei Dir nix. Komm‘ schon zeig‘ mir Deine Bilder, zeige ich Dir mein Dekolleté. Zeig‘ mir Dein (un)weises Innerstes und „Öffne Deinen Schmerz“, hat es mal in einem Film geheißen. Hast‘ Du etwa noch kein Vertrauen, Du jämmerliche Kreatur. Dann zögere nicht und schau‘ in meine hübsche, schwarze Seele.

Was ist denn nur los mit Dir? Bist Du doch schlauer als ich dachte, dann bist Du schlechter dran, als Tod. Dem kannst Du aber noch ein Schnippchen schlagen, wenn Dir ein Selbstmord-Selfie gelingt oder ein waghalsiges planking missglückt. Willst Du das nächste Mal eine Brücke zum Safer-Sex schlagen, so vertraue ich darauf, dass Du irgendwann, schlicht und einfach, nur den Halt auf dieser Brücke verlierst. Ach, schade. Du hattest es fast vergessen, danke für die Kreditkartennummer.

Es grüßt Dich aus dem fernen Utopia, LoL-ita

PS: Oh, bald, so darfst Du fürchten, werde ich einreisen, um Deinen trauernden Eltern Dein Scheckbuch zu entreissen!

Erster Brief an die Buchbinder

Guten Tag,

nicht erst seit geraumer Zeit verfolge ich, aufmerksam, die Entwicklung der Verlagsbranche mit großer Sorge. Die Frage, warum ich mich um eine
Stelle als Buchhersteller bewerbe ist recht simpel beantwortet:
Bücher sind für mich greifbare Gedanken, die ich auch mal getrost bei Seite legen
kann. Von ihnen Abstand halten kann, wenn ich einmal mit den Inhalten hadere
und ich jederzeit nur zuzugreifen brauche, wenn mir danach ist. Dank elektronischer Medien gelingt es mir, auch mal „Stand-by“ sein zu können, ohne Eigenreserven zu verschleißen.
Außerdem will ich an der Tradition der Verlagshäuser Anteil haben und ihre Wortschätze neu entdecken, aufbereiten oder wie man es noch heutigen Gepflogenheiten
bezeichnen müsste, neu anordnen und kategorisieren sowie der Öffentlichkeit
zugänglich machen; Bücher abstauben und hübsch verpacken.
Die Kunst ist wahrscheinlich auch der Urheber solcher Gedanken. Und damit die
Kunst erhalten bleibt, will ich mich den gebundenen Verlagsprodukten opfern. Ob mir das gelingen kann, davon kann man sich gerne anhand meiner Manuskripte und vieler anderer Ideen überzeugen.
Dank des mir erworbenen Wissens der vergangener Jahre – auch in sozialen Netzwerken – eifere ich insgeheim Bertolt Brecht nach und schreibe meine eigenen Geschichten. Danke für die gesammelten Geschichten vom Herrn
Keuner aus ihrem Verlagshaus.
Und nun zu einer, für alle, unbequemen Frage, wie viel ich wert bin. Damit sich der ferne Einsatz in Berlin lohnt und ich mich nicht schlechter stellen möchte als heute – sollte ich bei einer 40-Stunden-Woche schon so ungefähr 1700 Euro ausbezahlt bekommen. Wenn ich Arbeiten auch von zuhause aus erledigen darf, dann wenigstens 1300 Euro, netto. Die Zeit für die Suche nach einer kleinen Wohnung kann ich ab Oktober mit Heimarbeit überbrücken. Auch wenn man sich heutzutage nicht erlauben darf eine befristete Stelle auszuschlagen, würde ich doch eher auf eine dauerhafte Karriere im Verlag setzen.
Laden Sie mich einfach ein, um Einzelheiten zu besprechen; vielleicht auch nur um
mich erst einmal kennenzulernen.

Mit freundlichen Grüßen

Jens T. Hinrichs

Zeichne Bilder von guten Riechlinks

Guten Tag,
sehr geehrter Herr Richling,

wussten Sie schon, das Social Media ein Buch voller Fehler ist? Egal, wie Ihre Antwort darauf lauten mag, möchte ich Ihnen meine chron(olog)ischen Erkenntnisse zum Geschenk machen.
Es wird sich für Sie lohnen, Ihren Riechlink hineinzustecken – verzeihen Sie mir die Aussprache und Schreibweise. Das höfliche Unwort steht doch nur Patron für ihre gute Nase.

Vielleicht finden Sie ein klein wenig Langeweile Zeit, mir ein paar Zeilen zu schreiben, genauso persönlich nachvollziehbar – auf einer Postkarte vielleicht?
Eine Alternative wäre, Sie würden es irgendjemanden post-en. Es sollte aber mit ihrer Attitüde – longitude oder latitude – vereinbar sein.
… und falls es Ihnen eines Tages auf der Zunge liegt, nur keine Bange, ich würde es außerordentlich begrüßen, wenn Sie aus meinen Chroniken zitieren. Sie dürfen mich dabei auch gerne anonymisieren.

Zu jeder der 871+ Zeitangaben – wie viele es zurzeit sind, habe ich vergessen – existiert ein tatsächlicher Beweis oder unzahlreiche Indizien. Nachzählen lohnt sich, aber, nun wirklich nicht, ich habe noch eine Unmenge an Material – so ungefähr die nächsten zwanzig Jahre. Gerade bin ich dabei, mir zu jeder Zeitangabe ein Bild zu malen, auch andere sollten sich davon ein Bild machen. Vielleicht mit Ihrer Unterstützung.

Gott danke Ihnen für Ihr Talent. Ich komme ihm mal einfach zuvor.
Danke.

Mit freundlichen Grüßen
Jens T. Hinrichs

Nu_r Übelstes, Momente, Nimmersatt

Guten Tag,
sehr geehrter Herr Nuhr,

in diesem Moment werden Sie sich fragen, warum ich, was soll das Ganze. Nun ja, ich wollte mein Mach(t)werk, das mit geringen Fehlern behaftet ist, nicht einfach nur verschenken.
Auch wenn ich mal vermuten darf, dass Sie meine Hilfestellung nicht nötig haben. Ich für meinen Teil benötige nicht einmal einen globalen Skandal, um Übelstes zutage zu fördern.
Halten Sie sich, eine Langeweile jedenfalls, an meine bösen Ch_o_iken. Ich bin halt zuviel im (un)sozialen Netz und möchte stellvertretend, sozusagen, für den Rest der Menschheit in diesem Dilemma gefangen bleiben – bis zur letzten Atempause.
Vielleicht finden Sie die Zeit, um mal reinzu__hauen. Es wäre meiner hoh_en Sache dienlich, wenn es nicht bei einem oberflächlichen „Gefällt mir“ oder „Dislike“ bleibt. Schreiben Sie, aber nicht unfreiwillig, ein paar Zeilen. Lokal genötigt und gefangen zu sein, fühlen sich schon zu viele – in diesem Internetz. Ohne es zu wissen, verderben uns Web-Köche den Einheitsbrei.
Apropos lokal, die Geo-Lokalisierung ist quasi durch die Postkarte erfunden worden. Darauf liegen die Worte auch offen herum, lokal nachvollziehbar durch den Poststempel. Heutzutage ist die Privatsphäre eher nur noch (mehr) verwässert.
Vielen Dank für Ihre verbalen Gipfelstürmer. Ich hoffe, dass meine Zeilen nicht nur ein Kopfschütteln wert sind.

Mit freundlichen Grüßen
Jens T. Hinrichs

Struwelpeterchens Mundart

Guten Tag,
sehr geehrter Herr Priol,

ich habe da ein monumentales Geschenk für Sie. Mir stehen bei all den Skandalen um Spionage und Datenschmutz die Haare zu Berge, ohne Ihnen nahe zu treten, Ihnen auch?

Ich hoffe, Ihr Hairstyle ist nur ein Fake. Ich hätte es gern ein Mal angefasst, aber auch das wäre eine Überholspurweite zu persönlich, nicht wahr?
Im Internet ginge so etwas nicht, nicht ausgeschlossen. Damit wäre der Sch(m)utz unser Privatsphäre aber nicht gleich perfekt.

Bitte senden Sie mein giftiges Schreibgut nicht zurück an meine Adresse, sondern senden Sie mir bitte, stattdessen, sobald es Ihre kostbare Freizeit erlaubt, ein paar kontaminierte Zeilen. Einfachheit halber schließen Sie Ihre Augen und picken Sie sich doch einfach einen Monat heraus.
Apropos Kritik, wussten Sie, dass die Kritik nur dann massentauglich ist, wenn man sie durch den Kakao zieht. Der Beweis soll dieses zynische Buch sein. Ähnlichkeiten zu realen Begebenheiten sind natürlich unfrei erfunden oder gehässige Absicht.
Vielen Dank für Ihre Schaffenskraft. Meine Worte sind, so hoffe ich, lebens- und lesenswert.

Mit freundlichen Grüßen
Jens T. Hinrichs