Keine Briefe an mehr oder weniger bekannte Buchmacher/-innen

Keine Briefe an mehr oder weniger bekannte Buchmacher/-innen

Datum: 5. August 2014, 0:15:36 Uhr
From: jens.t.hinrichs@scienccefiltr.com
To: An die Lieb‘ S. Te.

Du has_t einen neuen POST! Wir hatten bisher kaum Zeit uns kennenzulernen. Ich weiß ja auch noch nicht viel über Dich. Aber ich habe einen guten Draht zu Dir und es fällt mir leicht Dir zuzuhören.
Na ja, vom Sternzeichen bin ich Krebs und das sagt ne Menge über mich aus. Kaum geht es bei mir voran, mach ich auch schon wieder einen Schritt zur Seite und wieder zurück. Deswegen dauert ’s bei mir alles länger, meine gesundheitlichen Rückschläge halten mich immer widerlich auf dem Boden des Schicksals. Aber ich bin genau der Richtige, der so was ständig ertragen und bewerkstelligen kann. Mir fehlt nur irgendeine weibliche Grundel, die mit mir in Symbiose leben will. Mein Ausgleichshobby war vor Jahren mal das Tauchen, aber dazu fehlen mir die finanziellen Mittel – ich täte es aber wieder gern. Alles – außer die Gesundheit – spricht aber sonst dafür. Aber wer soll mit mir reisen, viele sind eher auf weakanttripps1) aus u. so. Für mich wäre eher ein zen-tägiger2) Urlaub etwas. Mein letzter iDive3) war 2004. Seitdem war ich immer nur für ein paar Tage weg.
Ich bin kein angenehmer Zeitgenosse, die Menschen mögen mich nicht oder nutzen mich nur aus. Außerdem bin ich sehr speziell, probiere gerne mal was aus. Du bist meine einzige Freundin, Freunde habe ich nicht. Die waren alles andere als Thorjäger4) und haben gerne mal einen über den Hungerthirst5) getrunken. Das war nicht meine Welt, also habe ich mich von Ihnen losgesagt. Die Zeit hat mir darüber hinweg geholfen. Als alle anfingen eine Berufsausbildung zu machen, entschloss ich mich weiter zur Schule zu gehen. Viele Kritiker haben mir nicht einmal die Grundschule und viel später nicht einmal das Fachabitur zugetraut.
Mit früheren Arbeitskollegen habe ich mich zwar sehr gut verstanden, aber als ich meine eigenen Vorgesetzten einarbeiten musste und mich mehrmals bei Stellenausschreibungen übergangen fühlte, habe ich auch diese Menschen gemieden. Ach was solls, ich bin froh, das die Vergangenheit Geschichte ist. Du hast ja recht, über verschüttete Milch sollte man nicht trauern, sonst ziehts einen herunter.
Ich mag Frauen, habe aber noch nicht die Richtige gefunden. Viele Dutzend mal habe ich davon geträumt und auch geglaubt, dass ich ihr bereits gegenüber sitze. Bisher nur Körbe bekommen oder ich hüllte meine Gefühle in Schweigen. Eines der letzten Appschiede6) an mich lauteten: „Ruf mich nicht mehr an, besser lösch‘ doch meine Nummer“, „Ich mag Dich so überhaupt nicht“, „Geh‘ doch allein ins Kino“ und „Lass uns besser Schulfreunde bleiben“. Viele Aussagen und Dialoge habe ich gesammelt und werden auch in „Briefe an (k)eine Freundin“ thematisiert. Eine Unmenge an Frauen habe ich nie angesprochen und so werden daraus anonymisierte Steckbriefe „Jungfrau 40 Jahre, Sucht!“. Vielleicht erkennt sich irgendeine Frau oder Schulfreundin in diesem süßholzgeraspelten Wortsalat7) wieder.
Lesen tue ich gerne tagsüber. Wenn es dunkel wird, sitze ich lieber vorm Rechner. Deine Buchvorschläge sind sehr interessant und Sie werden auch meinen Blickwinkel erweitern. Allerdings habe ich sie mir auf den Wishzettel8) geschrieben. Ich bin aber ein Hörbuchfan, denn sie helfen mir Pausen, Auto- und Bahnfahrten und lästige Wartezeiten zu überbrücken. Noch viel lieber mag ich Hörspiele. Zurzeit fehlt mir die Aufmerksamkeit zum Lesen, denn meine Chroniken mitsamt Applegern9) haben Vorrang. Gefühlt habe ich noch so ein halbes Jahr Schreibarbeit vor mir, die Karikat(o)uren, die Bastelarbeit meiner Marionetten & Parodien sowie die Programm(ier)arbeit von SoApps10) nicht mitgerechnet. Auch wenn ich stets bemüht bin, bin ich immer im Rückstand. Die Chroniken haben ja viel Adhoc-Geschehen in sich. Aber auch das ist das schöne daran. Wer wagt sich sonst an eine unendliche Vierteljahrhundert-Chronik.
Eine Zeit lang habe ich gerne Michael Moore’s Bücher gelesen. Meine ersten Bücher aus Jugendtagen war die Triologie um Argo Nautilus – Klar zum Tauchen und die Straße der Piloten von C.C. Bergius. Meine Lieblingsbücher aus der Schulzeit waren „Die Physiker von Dürrenmatt“, „Bürgerrechte von J.FK. (von Samuelson)“. Ich mag aber auch Geschichten vom Herrn Keuner (Bertold Brecht) u.v.m.
Science-Fiction-Filme und Filme mit wahren Begebenheiten (In meinem Himmel, Erin Brockovitz, Mississippi Burning) habe ich gern. Gucke gerne Big-Bang-Theorie und Serien mit starken Mädels, wie Buffy, Ringer und Revenge, aber auch die Serie Homeland und The Mentalist mag ich. Außerdem schaue ich gelegentlich die Simpsons und South Park.
Ich bin ein Fan von Prequels (Vorgeschichten), wie die von Prometheus – Dunkle Zeichen, der die Vorgeschichte der Alien-Saga erzählt. Und neuerdings auch den Hobbit und Planet der Affen. Mit „Backlinks to 1984“ mache ich meine eigenes Prequel zu meinen Chroniken. Wegen meines Filmgeschmacks bin ich eher den Nerds zuzurechnen, obwohl ich von Physik nur wenig verstehe. Romanzen habe ich hassen gelernt, den kann ich nix abgewinnen; es sei denn, ich finde jemanden mit dem ich das Geschmackserlebnis teilen und erforschen kann. Ich mag Marvel-Comics, aber nicht alle Filme, viele davon sind grottenschlecht. Ich lache gerne über Martina Hill, mag Satiregipfel und Politsatire, wie die Anstalt,. O. Kalkofe, Urban Priol, Mathias Richling und Dieter Nuhr würde ich gerne meine Chroniken überlassen.
In Bezug auf die Leadtext-Katastrophen habe ich eine Idee, ganz ohne GEMA-Gebühren und ein Musikinstrument muss ich auch nicht dazu lernen. Die Anlauftextkatastrophen heißen jetzt Algorhythmen. Und der Refrain bestimmt die Melodie, es gibt ja nur wenige Noten innerhalb einer Tonleiter, die eine alphabetische Kennzeichnung tragen. Und den Takt werde ich aus der Länge des Satzes und der Anzahl der Worte ableiten. Bisher klingt die Methode eher experimentell, dazu ein anderes Mal mehr.

Und Geld verdienen muss ich ja auch noch. Also kaum Zeit für Freizeit oder dank des gemeinen Arbeitsplatzes kein Freiraum für meinen sauberen Whistleblow, den ich vergangenen Jahres als Kindlebuch11) zusammenfasste; wir hatten ja schon mal darüber gesprochen.
Die Deckblattentwürfe an meiner Magnettafel fandest Du doch auch recht gelungen, wie mir scheint. Ich denke die ersten zwölf Cover werde ich Ende September in Form gebracht haben. Hier und da fehlt noch so der eine oder andere Feinschliff. Adobe ist viel zu kompliziert. Ich brauche eigentlich nur meine Hände, selbst wenn es dann eher noch einer kindlichen Malware ausschaut; stört mich herzlich wenig, solange mein Skizzenbuch dabei nicht kontraproduktiv verweist. Und diverse Rekruten hatten einfach nicht das Durchhaltevermögen. Eine telekinetische Schnittstelle gibt es leider noch nicht. Also bleibt das Handwerk wohl noch eine Weile gülden.mfg


Welle 2.0 Enzyklopedia
1)weakanttripps; Wellish; Lautsprache für den Wochenendurlaub, wobei „weak=Schwach“, „Ant=Ameise“, „Tripp=Reise“ bedeuten. Die satyrische Übersetzung ist kontra-indiziert und führt zu einer Umdeutung, beispielswaise vergl. beziehungswaise: sich auf einem schwachen Ameisenpfad begeben steht dann für eine romantische Beschreibung des schmalen Grats
2)zen-tägiger Urlaub; nicht zehntägiger Urlaub; satyrisches SYNO für einen Urlaub, der der seelischen Entspannung dienlich ist, ACRONYM für „active pausing“, das dem Wellish zuzuordnen ist.
3)iDive; aus der AdVENTURES-Philosophie stellvertretender Oberbegriff für verbraucherspezifische Tauchberichterstattung, tagging für die SE-/SEM-Optimierung von TViCh24.
4)Thorjäger, SYNO, satyrisch: Hacker
5)Hungerthirst; Wellish für den zu stillenden Durst, der durch salziges Essen hervorgerufen wird, der mit übermäßigem Alkoholgenuß einhergeht.
6, 9, 10) Die Buchstaben a +b und ggf a +p fallen der systhematischen Appifizierung zum Opfer. SoApps stehen für videografische Medieninhalte, die sich mit der sozialen Interaktion und den „sozialen“ Medien beschäftigen.
7) Wortsalat; satyrisch für gutgemischten Wortschatz beziehungswaise User-Wordschatz mit Wortwitz.
8) Wishzettel; satyrisches „political correctness“ für a) einen nicht so ganz ernst gemeinten Wunschzettel oder b) ein Einkaufzettel
11) Kindlebuch; satyrische Bezeichnung für ein elektronisches Kinderbuch in der Amazon-Bibliothek

Autor: en bloc thesis

Jens T. Hinrichs, Journalist, a.D. (außer Dienst) und Selbstverlag (dauerhaft geschlossen). Glaube fest an den Grundsatz “The answer how to question something is whistleblowing. The rest will be killed by free speech.”

Ein Gedanke zu „Keine Briefe an mehr oder weniger bekannte Buchmacher/-innen“

  1. Am So, den 3. Aug. 2014 schrieb meine lieb‘ S.Te: Ich hab am Freitag an Dich gedacht und hoffe, Du hattest nicht allzu viel Schluckauf! :-) Wie war der erste Tag, oder soll ich lieber nicht fragen?
    Hast Du von Deinen Arbeiten schon was losgeschickt????? Wenn ja: Ich drück Dir die Daumen. Jetzt ist ja aber auf der anderen Seite auch saure Gurkenzeit, weil viele im Urlaub sind. Vielleicht solltest Du noch warten, bis in den September vielleicht, damit die Post auch dann ganz oben auf dem Stapel liegt, wenn die Redakteure aus dem Urlaub kommen. Nicht, dass Deine Arbeiten im Wust verloren gehen….
    Danke, dass Du mir Mut zu meinem neuen Projekt gemacht hast. Ich bin gerade mitten in der Recherche zum Thema Uranmunition und verzage fast, da ich so gar nicht weiß, wie man all die schrecklichen Dinge kindgerecht verpacken kann. Na mal sehen.
    Das Fukushima-Kapitel ist, bist auf den Wunsch der Heldin, fertig. Ich häng es Dir unten mal an.
    Ich weiß gar nicht, was ich Dir genau erzählt habe, was in der Geschichte passieren soll. Hier eine kleine Zusammenfassung: ein Mädchen, Emmy, besucht auf der ganzen Welt Orte, in denen es Stationen der gesamten atomaren Wertschöpfungsprozesskette gibt, sozusagen vom Uranabbau bis hin zum Einsatz in havarierten Kernkraftwerken. Es wird verschiedene Kinder treffen, die ihre Geschichte erzählen. Am Ende eines jedes Kapitels bekommt es ein Geschenk von dem Kind, das seine Geschichte erzählt hat. Dieses Geschenk soll ländertypisch sein oder für den Kontinent stehen. (In Japan ist es ein aus Papier gefalteter Kranich, nach Origamie). Dieses Geschenk nimmt es dann mit, für ein anderes Kind auf der Welt.vlg

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