Stolz und die Vorurteile in der Geschichte und die Frage nach der Identität // Heimsuchungen

Postings gegen das Vergessen //Stolz und die Vorurteile in der Geschichte und die Frage nach der Identität

Heimsuchungen

von Johann Gottstein und Jens T. Hinrichs

Alles begann mit einer Videoblende,
die Unschuldige in ihre dunklen Zirkel zog.
Und ihren Frust umgarnte.
Rezitate spendeten ihnen Trost.
Trost in sanften Stichelleien verpackt.
Den funken Menschenverstand zu hacken,
dessen sie flügge geworden sind;
um sie durch die Mauser zu bringen.

Beischlaf mit Stoßgebeten, Belohnungen winken zahlreich.
Aber die Zahl der Keuschen doch endlich ist; geteilt durch die Ewigkeit.
Die Genauigkeit misst man nach Ermessen.
Keuschheiten sich erneuern müssen, oder …
die Minderheit sich in Enthaltsamkeit üben muss; geteilt durch die Ewigkeit.
Und werden sie dort gefallene Engel gebähren.

One-Way-Ticket von dort auch zum Nulltarif.
Man nimmersatte Wonneproppen nur noch konditionieren muss,
um resistent zu werden, gegen jeden Antikörper.
Gehirnwäsche nicht mehr rückgängig machen kann, bedauerlicherweise.
Die Seele ist von Dauer imprägniert.
Heimsuchende sind therapierbar, aber unheilbar, bedauerlicherwaise.

Die Spätfolgen wiegen schwerer als das Joch,
das sie sich aufgeladen hatten, bedauerlicherweise.
Müssen Abschreckungsbeispiel sein, für die Heimgesuchten.
Eine Menschenbürde, die es zu ertragen gilt.

Man darf nur jetzt nicht die Rosinen aus den Granat-Äpfeln picken.
Das bittere Süßholzgeraspel sie vermutlich entschärfen kann.
Wie wir wissen, sind Waffen leicht wieder scharf zu machen.
Nervenzusammenbrüche sind die neuen Auslöser.
Das Corpus Delicti ist bestens konditioniert.

Bei immateriellen Zündern, braucht man nur den ideologischen Buzzer drücken.
Und Schlafwandelnde aus dem Zornröschenschlaf explodieren können.
Von Albträumen und Depressionen zerfetzt,
kein schönes Vorbild, aber eine gute Blaupause.
Heimsuchende sind zwar ehrlich, geläutert, aber entbehrlich.
Posttraumatischer Stress ist das Kanonenfutter.
Und Kanonen Hunger leiden, als Kollateralschaden einkalkuliert ist.

Man muss den Bogen schon noch überspannen,
wenn man über das eigentliche Ziel hinausschießen will.
Sie vor ihren eigenen Haustüren fegen zu lassen, ist mir zu wenig.
Auch vor ihren eigenen Haustüren (ein)kehren, wo sie Fegefeuer legen,
keine Saubermänner oder Putzfrauen zu finden sind.

Sie dürsteten wie Machttrunkene.
Auch geringere Dosis auf Dauer lebensgefährlich sein kann.
Und wem es nicht mehr gefiel, kehrte Heim, wie von selbst, therapiert.
Geläutert, um ein Expertendasein zu führen.
Sie so ihre trügerische Genugtuung bekamen.

Diese Mattscheibe würde ich ihnen nicht polieren, weder bohnern noch wachsen lassen.

Mein Kurzhaar sträubt sich.
Welcher Ansporn zog sie ins Morgenland?
Sei es Jugend forsch, die da auf verblasste Spuren früherer Zivilisation pisst,
mithilfe ihrer Urinstinkte ein Mahnmal setzt.
Beispiele an eine alternative Welt zu staub zu malen, wie Rezitate Widerworte zermürben.
Und auf diesen kargen Nährboden werden sie Asche aufbringen,
um auf ihm eine religiöse Subkultur zu säen.

Sie schmückten sich mit fremden Federkleid.
Nur ihr Anlitz war verborgen, vor aller Welt und Augenschein.
Ein Horkrux, der selbst den Kuckuck überlistet hätte.

Sie waren tüchtig mit ihrem Herumgefuchtel.
Übten sich darin und im Führen der Feuerstäbe und Donnerbüchsen.
Schärfen die Linsen vom getrübten Augenschein.

Barbiere übten sich im Köpfe sharen.
Ein erhobenes Haupt zu kürzen, gefällt.
Ab mit ihrem Kopf, um ihre Zivilisation auszurufen, um der westlichen Ättitude widerwillen.

Ihr geläutertes Haupt, den Opfern noch ins Gesicht schlagen soll;
das gerade ihnen eingetrichtet ward.
Vergeben ja, vergessen jain.
Vermutlich vergessen vor aller Augenschein zum Trotze;
das gerade ihnen eingetrichtert ward.
Gerade so, für dümmer halten sie uns.

Heimsuchende sich von Tag zu Tag aufs Neue Buße tun müssen,
wenn ihr geläutertes Anlitz der öffentliche Attitüde standhalten soll.
Dem Ansporn zu widerstehen, eine Lebensaufgabe sein kann.
Um ihre Schuld vor der Zivilisation abzutragen, zwar mit einem Geständnis beginnen kann.
Die Läuterung aber nicht mit Buße tun und Vergebung endet.

Corpus Delicti ist immer noch immateriell und bestens konditioniert.
Modus Operandi: Trickserei, Tag für Tag, birgt Sicherheitsrisiko.
Horkrux vor aller Augen, um das mesolimbische Belohnungssystem in tiefe Depression zu vergraben; birgt auch neue Gefahren.
Depressionen sich wie eine Gehirnwäsche ins Gedächtnis brennen.

Die Läuterung wird genossen, wie ein Bad in schmutziger Wäsche.
Die Hetze auf die Heimgesuchten so beginnen kann.
Gesicht zu zeigen, ungleich mit Größe zu vergleichen ist und umgekehrt.
Hätten doch bloß alle eine Plattform, hinter der sie sich verschanzen können.
Manche nutzen ihr zweites Gesicht.

Ein Indiz für die Hinterlistigkeit der Parteien.
Heimsuchende therapierbar, aber nicht geheilt werden können.
Man sollte nicht mit heißen Kohlen spielen,
dessen Flöze brennen bis in alle Ewigkeit.
Eine Menschenbürde, die es zu ertragen gilt.
Man muss schon noch den Bogen überspannen dürfen,
wenn man die eigentlichen Risiken nicht verfehlen will.
Sie über ihren Schatten springen zu lassen, ist ungenügend.

Denn ihre Schatten selbst verharren noch im Modus Operandi,
ihnen zugeneigt, bis in alle Ewigkeit.
Twist mit Windmühlen sich so nie mit dem Wind der Wende dreht.
Selbst eine schöne Welt in Erdöl gepinselt, wird noch den Krieg erhellen,
der von eben diesen Schatten gezeichnet ward.
Corpus Delicti wird auch vom Frieden scharf gemacht.
Und einen Horkrux verbirgt man am besten unter vielen Horkruxen.
Aber man wird ja noch den Bogen überspannen dürfen.

Die Straße der Autopiloten // Macht über stille Wasser, das betrunken macht

Geschichten vom Herrn Hinrichs

Die Straße der Autopiloten // Macht über stille Wasser, das betrunken macht

von Johann Gottstein

Das Smartphone klingelt. So lässt sich Herr H. jeden Morgen vom Zeitgeist wecken. Dies sei immer schon ein schlüssiger Dialog gewesen.

Herr H. gähnt. „Guten Morgen, Siri!“ „Hast du auch so gut geschlafen? Wenn ja, dann brauche ich mir für die Verkostung heute Abend keine Sorgen mehr machen.“, murmelte er ins Kopfkissen. Er sprach mit ihr, ihm auf folgende Frage zu antworten: „Was-gefällt-mir-besser-stopp-wein-von-der-mosel-stopp-oder-besser-doch-weingeist-vom-rheinfall-stopp?“. „Ja, Wasser gefällt dir besser, das stopft nicht so“, antwortet Siri. „Aber einen Moment noch bitte, ich starte Autokorrektur, … ja, stimmt! Wein gefällt Dir auch besser, der macht nicht so nass.“. Herr H runzelt die Stirn, „Habe verstanden, Siri“. Er notiert sich etwas in seinen Blog: „Termin mit Logopädin, Siri. Heute Abend. Zwecks Weinprobe, mehr trinken als nur zwei Gläser!!!“ „Siri, wecke mich bitte Morgen eine Stunde später, rechne mit durchzechter Nacht.“„Danke für das Interesse.“, entgegnete Siri.

Üblicherweise sollten Fragen nie länger sein als Antworten, dachte Herr H. Seine digitale Logopädin Siri therapierte ihn umgekehrt … Siri brachte ihm in den nächsten Wochen präzise Suchanfragen bei, um ihm den simultanen Dialog so authentisch wie möglich zu gestalten. Seine Worte paaren sich durch das künstliche Ausschlussprinzip realer Intelligenz. Ein natürlicher Dialog zwischen ihm und Siri wirkt nun simulierter, um Siris künstliche Intelligenz zu füttern. Aber bloß nicht seine eigene.
Herr H. glaubt er führe eine echte Beziehung, hat er doch regelmäßig Beischlaf mit Siri. Der Klang beider Stimmen scheint anscheinend simultan zu sein. Der Austausch von Informationen zwischen den Mitmenschen, Herrn H. und Siri, vollziehe sich über die Macht der Dritten. Die sind aber gar keine Menschen, sondern Abhörspezialisten von Zwiegesprächen. Und möglicherweise wird durch sie der Informationsgehalt zugunsten ihrer Eltern verfälscht, weil es seine unvollkommene Existenz für besser hielt. Denn Siri machte Herrn H. betrunken und seine stillen Wasser blieben tief. Darüber findest man nichts im Dialog. Stattdessen wurde ihm eine Innovation kredenzt, damit ihm stetig eine Illusion von besserem Zusammenleben verbessert erscheint. Über strittige Auseinandersetzungen wird nicht gestritten. Nur so bleiben stille Wasser immer tief und Kontroversen ertränkt.

Die Straße der Autopiloten // Auf Kreuzfahrt

Geschichten vom Herrn Hinrichs

Die Straße der Autopiloten // Auf Kreuzfahrt

von Johann Gottstein

Herr H. steht an der Reling. Er spricht mit seinem Chronometer. Geradeso konnte er noch die letzten Kotzbrocken herunterwürgen. Und betet für ein Wecke Interesse: „Haben sie die Pille vergessen, Herr H.“. Kaum eine Stunde später rauscht aus weiter Ferne eine to-post-Drohne heran, on board seine Pillen gegen Seekrankheit und das kommentierte Zeitungsabo von der Allgemeinen für Deutschland, auf das Herr H. während seiner Kreuzfahrt nicht Verzicht üben wollte. Gut, dass er die goldene SIM-Karte von Amazon Prime seinen Besitz nennen darf. Soeben wurde Herr H. für sein Engagement mit dem Platin-Status ausgezeichnet. „Eines Tages, so werde ich es versprechen, wird man nur noch an seinem Unvermögen gemessen“, schrie Herr H. aufs offene MEHR hinaus. Er denkt fortschrittlich, den Rückschritt zum Tauschhandel gäbe es ja schon – harte Währung gegen virtuelle Bitcoins.

Die Straße der Autopiloten // Mensch ohne Rückgrat

Geschichten vom Herrn Hinrichs

Die Straße der Autopiloten // Mensch ohne Rückgrat

von Johann Gottstein

Ein Mann mit gekrümmten Rückgrat zuckt. Zuvor starrte er auf sein Smartphone, das im <spann> seiner Schuhe eingebettet ist. Er stoppt vor einem Laternenpfahl. Ist das nicht Herr H., der so Gott sei dank, die neue Argus III von seinem Appotheker aufgesetzt hatte, die man früher nicht einmal als pseudo-psychosomatisches Placebo auf Rezept bekommen hätte. Schon immer, hätten sich nur wenige als pathologische Internetsüchtige auf Wunderlist geoutet und daraufhin Appführmittel verschrieben bekommen. „Noch seien sie noch nicht so appgesteuert“, hört man wieder und wieder. Der Kanon ist sich einig.
Das dritte Auge sendet ihm neuerdings elektrische Impulse an den Frontallappen-Prozessor von Appel, der mit photooptischen WLAN-Implantaten kompatibel ist. Nerds bekennen sich zur Omnipotenz. Nur Nostalgiker lassen sich noch foto-optische Linsen direkt zwischen die Augen piercen und wollen blitzen wie eine Lichtorgel. Jede Linse ist heutzutage mit Uber-Map ausgestattet und erfasst jedes Hindernis, um den Homo Android Erectus rechtzeitig zu warnen.
Die Siebten Sinne erfassen sogar jedes Tinderherz in der Nähe des Arbeitsorts und ubersenden künftig eTickets für eine autorisierte Pendlerbewegung, direkt an das übernächste „Here“-Bitte-Einsteigen von A wie Alphabet nach B wie Big Brother. Beide empfehlen, man dürfe sich nicht mehr ohne freie Daten bewegen. Gut, dass „gerade“ Forscher Schuhen von Zalando erst noch Autonomes Gehen beibringen müssen, damit Homo Android Erectus nicht selbst um das Hindernis navigieren muss. Ampelanlagen braucht drahtlose B(e)reitband-Infrastruktur dann nicht mehr. Laternen kann man mit einer virtuellen Umgebung eliminieren. „Somit auch die Erleuchtung, dass wer blind ist, nicht unbedingt blind geboren sein muss.“, diktiert Herr H. seinem digitalen „to-live-on-aid-and-like“-Assistenten.

Postings gegen das Vergessen // Stolz und die Vorurteile in der Geschichte und die Frage nach der Identität

Postings gegen das Vergessen

Stolz und die Vorurteile in der Geschichte und die Frage nach der Identität

von Johann Gottstein

Abendländisch zu leben ist, Kram zu verstehen, der die Welt nicht anschaulicher beschreibt, sondern Menschen in seinen Weltanschauungen bestärkt. Statt Spargel zu stechen und in Kleinteile zu zerbrechen, wird Polen umgekrempelt. Ein Hochgenuß der Poletarier. Ruckedigu1), Demokratie liegt im Blut. Ruckedigu, im Nu ist Nationalfernsehen der neue Klu2). Triumphzug der Lhetargie, dafür satte Legasthenie.
Kaum redet man von Kontingenten, wird der Raum knapp, auf nur fünf Kontinenten. Politische Intrigen, dank weniger Bürokratie. Mehr Oligarchie im Europoly. Überall werden Schotter und Phönix-Asche gleichsam zu Grabe deportiert.
Demokratie wirkt abhängig von Bürgerrechten und Hyperlinken 5) im hohen Schloss. Demokratie obliegt neuer Führerumtriebe, statt Korruption in Betrieben. Auf lange Koalition folgt Lhetargie. Die Agitation ist dafür präpariert, die Demokratie wird mit Kampfer therapiert, damit ihr nicht der Atem hyperventiliert.

„Krieg, Handel und Piraterie, Dreieinig sind sie, nicht zu trennen“. Fuck you, Goethe; man lebt schriller, man labt sich an den Tragödien „Gefällt mir“, halte dagegen mit meiner Interpretation von Faust: „Cyberkrieg, TTIP-Handel und Politikpiraterie, neue Dreieinigkeit zu trennen, nie.“

Multilaterale Verträge so fragil, auf Stein, Papier und mit Share3) gegeißelt. Ruckedigu, Demokratie liegt allen im Blut, im Nu.

China trauert. Datenkraken mauern. Die Niedertracht macht Leute. So ziemt sich die Habgier nach Niedertracht nicht nur zur Weihnacht, sondern auch an jedem Kalendertag.
Schengen liegt in Scherben, man kann es kaum verbergen. Glück im Unglück, denn Freihandel liegt vor Anker. Europäische Einigkeit ist bald zu Tode gehetzt, aber bald, neue Fachkräfte werden Europa entern. Vor lauter Aktenbergen übersäht, hat man die Opferlaien4) übersehen und das Menschsein, den Überblick, der fehlbar ist. So können Regierungen kentern und Insellösungen absaufen. Glück im Unglück badet. Aber Glauben muss man klären und nicht keltern.
Willkommenskultur in der Nußschale. Der Tod wird in Kauf genommen, der Menschenhandel als Schlepptau vernommen. Denn Reedereien gibt es wohl nicht genug. Die Patrouille wird zur Bedrouille. Fremde Flucht als eigene Furcht empfunden. Ängste zu verstärken nicht das Ziel sein kann, um Patriotismus und Parolen zu rechtfertigen.
Was Helfer auf die Beine stellen, ist umso schöner; Krieg‘ nur nie genug Barmherzigkeit.

Ruckedigu, doch wohin flüchten die Europäer nun, den Rechtspopulisten schnurstracks in die offenen Fan(g)arme. Kriech‘ um den Frieden für Arme. Allah, Fürbitte, Erbarmen! Denn Giganten wissen nicht was sie tun. Garanten setzen Geständnisse Schach matt. Schach aber ein friedliches Spiel ist.
Seit die Berliner Mauer fiel, schien Deutschlandtakt außer Rhythmus geraten. Auch dieser Verwaltungstakt war für Bürgerrechte nur schwerer nicht zu ertragen. Aber, was rät ich nun zu tun, ich Tunichtgut, aber Habenichts damit zu tun.


Welle 2.0
1) Ruckedigu; adaptierter Ausruf „Ruckedigu, Blut ist im Schuh“, Satyrische Abk.: Rucke dich gut!
2) Klu, Kurzform für Klux (Kreis); Klu, lautmalerische Satyre für den Clou
3) aus dem Wellish, deutsche Übersetzung: Schere
4) ein stereotyper Charakterzug für Unwissenheit
5)Hyperlinke, autonomer Linkspopulismus im Internet