Postings gegen das Vergessen // Stolz und die Vorurteile in der Geschichte und die Frage nach der Identität

Postings gegen das Vergessen

Stolz und die Vorurteile in der Geschichte und die Frage nach der Identität

von Johann Gottstein

Abendländisch zu leben ist, Kram zu verstehen, der die Welt nicht anschaulicher beschreibt, sondern Menschen in seinen Weltanschauungen bestärkt. Statt Spargel zu stechen und in Kleinteile zu zerbrechen, wird Polen umgekrempelt. Ein Hochgenuß der Poletarier. Ruckedigu1), Demokratie liegt im Blut. Ruckedigu, im Nu ist Nationalfernsehen der neue Klu2). Triumphzug der Lhetargie, dafür satte Legasthenie.
Kaum redet man von Kontingenten, wird der Raum knapp, auf nur fünf Kontinenten. Politische Intrigen, dank weniger Bürokratie. Mehr Oligarchie im Europoly. Überall werden Schotter und Phönix-Asche gleichsam zu Grabe deportiert.
Demokratie wirkt abhängig von Bürgerrechten und Hyperlinken 5) im hohen Schloss. Demokratie obliegt neuer Führerumtriebe, statt Korruption in Betrieben. Auf lange Koalition folgt Lhetargie. Die Agitation ist dafür präpariert, die Demokratie wird mit Kampfer therapiert, damit ihr nicht der Atem hyperventiliert.

„Krieg, Handel und Piraterie, Dreieinig sind sie, nicht zu trennen“. Fuck you, Goethe; man lebt schriller, man labt sich an den Tragödien „Gefällt mir“, halte dagegen mit meiner Interpretation von Faust: „Cyberkrieg, TTIP-Handel und Politikpiraterie, neue Dreieinigkeit zu trennen, nie.“

Multilaterale Verträge so fragil, auf Stein, Papier und mit Share3) gegeißelt. Ruckedigu, Demokratie liegt allen im Blut, im Nu.

China trauert. Datenkraken mauern. Die Niedertracht macht Leute. So ziemt sich die Habgier nach Niedertracht nicht nur zur Weihnacht, sondern auch an jedem Kalendertag.
Schengen liegt in Scherben, man kann es kaum verbergen. Glück im Unglück, denn Freihandel liegt vor Anker. Europäische Einigkeit ist bald zu Tode gehetzt, aber bald, neue Fachkräfte werden Europa entern. Vor lauter Aktenbergen übersäht, hat man die Opferlaien4) übersehen und das Menschsein, den Überblick, der fehlbar ist. So können Regierungen kentern und Insellösungen absaufen. Glück im Unglück badet. Aber Glauben muss man klären und nicht keltern.
Willkommenskultur in der Nußschale. Der Tod wird in Kauf genommen, der Menschenhandel als Schlepptau vernommen. Denn Reedereien gibt es wohl nicht genug. Die Patrouille wird zur Bedrouille. Fremde Flucht als eigene Furcht empfunden. Ängste zu verstärken nicht das Ziel sein kann, um Patriotismus und Parolen zu rechtfertigen.
Was Helfer auf die Beine stellen, ist umso schöner; Krieg‘ nur nie genug Barmherzigkeit.

Ruckedigu, doch wohin flüchten die Europäer nun, den Rechtspopulisten schnurstracks in die offenen Fan(g)arme. Kriech‘ um den Frieden für Arme. Allah, Fürbitte, Erbarmen! Denn Giganten wissen nicht was sie tun. Garanten setzen Geständnisse Schach matt. Schach aber ein friedliches Spiel ist.
Seit die Berliner Mauer fiel, schien Deutschlandtakt außer Rhythmus geraten. Auch dieser Verwaltungstakt war für Bürgerrechte nur schwerer nicht zu ertragen. Aber, was rät ich nun zu tun, ich Tunichtgut, aber Habenichts damit zu tun.


Welle 2.0
1) Ruckedigu; adaptierter Ausruf „Ruckedigu, Blut ist im Schuh“, Satyrische Abk.: Rucke dich gut!
2) Klu, Kurzform für Klux (Kreis); Klu, lautmalerische Satyre für den Clou
3) aus dem Wellish, deutsche Übersetzung: Schere
4) ein stereotyper Charakterzug für Unwissenheit
5)Hyperlinke, autonomer Linkspopulismus im Internet

Postings gegen das Vergessen // Anmerkungen zum Nationalsozialismus

Postings gegen das Vergessen

Anmerkungen zum Nationalsozialismus

von Pinocchio G., Don Q. Mancha und Jens T. Hinrichs

Sie wollen in unsere Köpfe eindringen, nur wie bekommen wir sie da wieder raus. Sie sind in unseren Herzen, nur wie gelangten sie hinein. Sie hatten willige Helfer und viele Helfershelfer haben sie noch.

Unbewusst wurden unterschwellige Gedanken mit atheistischen Sehnsüchten beweihräuchert und mit einer abendländischen Subkultur genährt, die zu einer intelligenten Gemeinsamkeit geführt haben, die nun zu einer Bürgerbewegung missgeraten ist, die wir auch mit Primaten gemeinsam haben – die instinktive Furcht vor einer fremden Bedrohung. So primitiv wie Primaten sind auch die Privilegien beziehungswaise die Parolen, die die unscheinbaren Bürger mit dem ganzen Volk scheinbar gemeinsam haben wollen.

Die Aufklärung, so offenbar, ist uns nicht gelungen, stattdessen verschlingen wir Verallgemeinerung, das ist offensichtlich.

Es liegt an uns, wie wir Aufklärung definieren und Verallgemeinerung mithilfe von Intelligenz interpretieren. Es liegt an uns, noch sind wir das einseitige Sprachrohr von Verallgemeinerung, das keine Gegenargumentation zulässt, weil das Sprachrohr zur missgeratenen Bürgerbewegung verstopft ist und deshalb für die Aufklärung verschlossen bleiben soll. Es liegt an uns, mit welchen Tendenzen und auf welchen Frequenzen wir uns einer gemeinen Sprache bedienen und einer gemeinsamen Sache widmen wollen.
Letzen Endes ist unser Gewissen verantwortlich, ohne das wir uns bewusst sind, dass wir Verallgemeinerung publizieren, reproduzieren – ja Schlimmeres, Verallgemeinerung ausleben und Vorurteile auskosten.

Wer Worte drucken kann, vermag sich noch nicht ausdrücken zu können. Wer seine Meinung frei äußern will, muss wissen, das er noch lange nicht alle Worte frei ausdrücken darf.

Freie Meinungsäußerung heißt schlicht, dass sich Worte ohne Zensur verbreiten dürfen. Allerdings darf man Äußerung im Nachhinein revidieren, redigieren, kritisieren, kategorisieren und thematisieren. Freie Meinungsäußerung heißt nicht, Randphänomene zu pluralisieren, zu bagatellisieren oder zu kriminalisieren.

Jeder darf Meinungen trotzen oder mit Worten schluchzen. Jeder darf in Zeitungen einfach nur blättern oder bloß zerfleddern oder sie mitsamt der Meinungen zerschreddern. Jeder darf sich in Widersprüche verstricken, man sollte sie nur nicht veräußern – auch nicht umsonst.

Freie Meinungsäußerung heißt nicht, dass man Meinungen unkommentiert stehen lassen darf – auch nicht im Internet. Freie Meinungsäußerung verheißt nicht, das Zeitungen allwissend sind. Freie Meinungsäußerung heißt nicht, das Menschen ohne Gewissen über die Richtigkeit berichten oder ihre wahren Motive zu erkennen geben – auch nicht in der Politik und schon gar nicht, ob sie vom öffentlichen Interesse sind.
Noch greift der grob fahrlässige Umgang mit Unkenntnis um sich. Es ist die unterschwellige Furcht vor dem Unbekannten. Sie ist hartnäckig, wie ein Herpes-Virus, der darauf lauert, über unsere Lippen zu kommen.
Von Ohnmacht umgeben, haben sich auch manche Autoren wie Thilo Sarrazin und Eva Herman von ihren Instinkten betrügen lassen und sich diesem ungewollten Phänomen mit Worten verschrieben. Und die unbewusste Auseinandersetzung geführt und ihre Absichten auf das Niveau von „Mein Kampf“ reduziert. Ohne das es ihnen bewusst war, wurden sie regelgerecht von der Propaganda vorgeführt. Sie hat von dem Phänomen profitiert und sich profiliert. Sie wollten der Wahrheit zum Sieg verhelfen. Den Sieg haben sie an die Rechtspopulisten verloren. Und sich vom öffentlichen Interesse distanziert, so wurde es verfügt; wie eine legitime Amnestie, um kundzutun, das die Gerechtigkeit nur in einer Meinungsform über sie zu urteilen hat. Man sollte klar sagen müssen, dass man sich vom Rechtspopulismus distanziert. Stattdessen hat sich die Propaganda mit den Tagwerken identifiziert und für jede Unmenge an unnötigen Gesprächen gesorgt. Der Pöbel ist an solchen Tagen (zu)recht befriedet. Doch der Mob war befriedigt und versorgt, da er um keine weitere Propagandalektüre buhlen musste, denn die bekamen sie zum Nulltarif – Höchstumstritten und in Höchstauflage, so wie die Propaganda nun mal beschaffen ist, so als hätte es die Propaganda gewollt, so als hätte sie das Tagwerk vorbestellt. Der Pöbel applaudierte und wusste nicht einmal, dass er auch für den Mob applaudierte.

Die kritischen Worte werden den Historikern überlassen, die sodann, hoffen wir mal, verständlichere Worte von sich geben und in den Geschichtsbüchern nicht zu lesen ist „Wir haben von alldem nichts gewusst“. Und sich die Zivilgesellschaft hinter einer kollektiven Amnesie verkriecht. Aber wir wollen kein weiteres griechisches Feuer vergießen, das wir, seit 70 Jahren und mehr bekämpfen, die ausweglose Konfrontation mit unserem schlechten Gewissen aus dem Weg gehen. Bloß wann, wann lohnt es sich dafür zu kämpfen? Bloß wann, wann laufen wir nicht mehr vor unserem schlechten Gewissen davon?
Freie Meinungsäußerung ist nicht, Autoren und Rechten die Ehre erweisen oder eine Audienz gewähren müssen. Es reicht, wenn wir deren Tagwerke lesen. Freie Meinungsäußerung ist nicht, einfach nur Lesen zu erlernen, sondern geschriebene Worte verstehen zu können; bevor man in eigenen Worten Parolen legitimiert und sich erst im Nachhinein von Meinungsäußerungen distanziert. Man kann Objektivität auch dadurch beweisen, indem man Meinungen und Tagwerke nicht kommentiert und sich dadurch vom Mob distanziert.

Freie Meinungsäußerung ist nicht, auch entgegen gerichtete Meinungen mit Gegnern diskutieren zu müssen. Es reicht, die subjektive Auseinandersetzung mit seinem Gewissen zu verabreden – das zu einem passiven Widerstand aus der liberalen Mitte der Gesellschaft heranreifen könnte. Ein Widerstand, der sich darum kümmert, dass sich rechtspopulistische und linksautonome Meinungen nicht in Politikfeldern, Rechtsnormen und Gerichtsprozessen materialisieren. Der untätige Widerstand darf den Meinungen des Pöbels nicht noch mehr Einlass in die Grundrechte – Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit – gewähren. Wir wären ganz schön einfallslos und einfältig, wenn wir diese Grundrechte einfach nur als Instrumente betrachten. Als Instrumente missbrauchen, mit denen der Pöbel den Mob weiterhin (be)dient, noch mehr wortschillernde „Progrome“ entfacht und klitzekleine „Reichstagsbrände“ stiftet, die den Mob geradewegs in die weltpolitische Öffentlichkeit navigiert und die Regierungselite katapultiert. Das kann nicht im Sinne unserer Verfassung sein. Das darf keine europäische Auffassung bleiben. Das ist unvereinbar mit unserem Gewissen. Gute Gewissen, in Deutschland und Europa, bitte meldet euch.

„Good knit, and good link.“

Postings gegen das Vergessen // Anmerkungen über Krieg und Frieden

Postings gegen das Vergessen

Anmerkungen über Krieg und Frieden

von Johann Gottstein

Man muss endlich damit aufhören, 99 Prozent der Flüchtlingen zu unterstellen, sie seien
kriminell. Wie soll man denn einen Flüchtling bewerten, wenn man nicht bereit ist, über den Menschen als solches ein Urteil zu fällen. Man muss endlich damit aufhören, 99 Prozent der Zeit mit Antworten darauf zu verschwenden, wer flüchten darf und wann nicht und wohin. Man muss endlich damit aufhören, über Schlagbäume zu diskutieren, wenn man nicht bereit ist über die Grenzen in seinem Kopf zu referieren. Schlagbäume kann man nur verhindern, wenn man seinen Kopf einschaltet. Schlagbäume sollten nicht diejenigen errichten, die ihre Gesinnung nicht offenbaren wollen. Man muss endlich damit aufhören, Flüchtlinge wie mittelalterliche Völker aus Goten, Sachsen, Mauren, Sarazenen oder Hunnen zu behandeln.
So leid es mit tut, aber 99 Prozent meines gesunden Menschenverstandes sagen mir, dass wir es mitMenschen zu tun haben. Lediglich 1 Prozent meines gesunden Menschenverstandes benötige ich, um festzustellen, dass wir es mit einem lösbaren Phänomen zu tun haben, mit dem wir so nicht gerechnet haben. Und nur deshalb in Überforderung ausartet, weil die Politik nunmal langsamer arbeitet als wir es uns von ihr wünschen würden. Denn die Politik arbeitet nicht in einem reinen Stand-by-Modus, sondern in einem „Steady-state“-Modus, einem sogenannten Gleichgewichtszustand. Ziel ist also immer der Konsens und nicht, klassisch „dafür“ und „dagegen“ zu sein. Unser Unterbewusstsein – auch das des Wählers, muss sich nur hin und wieder auch an dieses Phänomen neu gewöhnen. Der Mensch reagiert also gezielt überfordert, obwohl er das Problem zu würdigen weis. Die Lösung ist nur eine Frage der Zeit. Und nimmt man sich 99 Prozent mehr Zeit für die Flüchtlinge, anstatt das unter 1 Prozent der Bevölkerung über sie herziehen, dann können Flüchtlinge dem Land, das sie aufnimmt, auch zu einem Aufschwung verhelfen. Flüchtlinge können dem Land, das sie aufnimmt dabei helfen, auch 99 Prozent der rechten Randbevölkerung unter 1 Prozent der Wählerstimmen zu drücken.
Denn mit der rechten Randbevölkerung muss endlich Schluss sein. Einen großen Beitrag dazu könnte die vermeintliche Masseneinwanderung und das Bekennen der breiten Öffentlichkeit zur Willkommenskultur unserer Kanzlerin sein. Ich wünsche mir, Deutschland und Europa in mehr Farbe und nicht in S/W. Ich wünsche mir, Deutschland und Europa in UHD und keine Grauzonen in 3D. Für Deutschland und Europa wünsche ich mir, sie ernährten sich gesünder, also mehr von Humus und Couscous (beziehungswaise: Nährboden und Kusskuss) und dafür weniger von Tee-Tipps oder Bürgern (beziehungswaise: TTIP oder Burger). Ich wünsche mir; der Mob erreiche bei der Wahl nicht einmal soviel Aufmerksamkeit wie ein Mopp hinterm Schlusslicht eines Karnevalsumzugs. Hä, Hähä (deutsch: Hä, wie bitte?).

Postings gegen das Vergessen // Anmerkungen zum Nationalsozialismus

Postings gegen das Vergessen

Anmerkungen zum Nationalsozialismus

von Jens T. Hinrichs, Pinocchio G. und Don Q. Mancha

Wer die Gesellschaft von Bürgern am rechten Rand der Gesellschaft sucht, hat von Bürgerrechten nichts verstanden. Wer von Meinungs- und Versammlungsfreiheit spricht und sie sich zunutze macht, um Journalisten zu denunzieren oder anzurempeln, der führt diese Rechte ad absurdum.
Denn Meinungs- und Versammlungsfreiheit müssen mit der Pressefreiheit in einem Atemzug genannt werden. Weil es das Ziel ist, diese Grundrechte untrennbar miteinander zu verbinden. Nimmt man der Pressefreiheit die Luft zum atmen, schnürt man auch der Meinungs- und Versammlungsfreiheit die Lungen ab, da sich die Meinung nicht mehr frei entfalten kann.
Wer von Lügenpresse spricht, ohne diese Lügen explizit zu benennen, ohne sie auf Transparente zu schreiben, so dass sie von jedem Bürger sichtbar sind, der untergräbt auch die Meinungsäußerung übriger Bürger – sie ist schlichtweg nicht existent. Wer nicht den Mut hat zu seinen Lügen zu stehen, der hat auch kein Gehör verdient. Es bleibt jedoch die Gefahr der schlichten Medienpräsenz.
Zur Meinungsfreiheit gehört auch, sich über geäußerte Meinung aller Lager eine unabhängige Meinung bilden zu können. Vielleicht sollte man darauf einen Offenbarungseid leisten. Denn Meinungen darf man äußern, selbst wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen. Wenn aber diese Meinungen offensichtlich nicht der Wahrheit entsprechen und wiederholt aufs Neue betont, hat auch eine kommentierte Berichterstattung verdient – im extremistischen Fall sogar Strafverfolgung verdient.

Denn wer gar nicht erst den Versuch unternimmt den Dialog zu suchen und Fehlinterpretationen aus dem Weg räumt, schürt leicht Vorurteile und Verallgemeinerung. Verallgemeinerung ist, Worte wie Lügenpresse zu benutzen. Die Verallgemeinerung ist der Pfad zur dunklen Seite.
Und wer die Lügenpresse bejaht, der denkt und handelt auch wie ein Lügner. Lügenpresse hin oder her, wer sagt, dass der Begriff überspitzt sei und dennoch darin Wahrheit verborgen sieht und im gleichen Atemzug der Lügenpresse auch noch ein Gesicht gibt, liefert dem Mob nur einen Sündenbock. Und ist damit ein noch viel besserer Lügner, nur mit besserer Medienpräsenz. Zu behaupten, die meisten Rechtsextremen würden aus Sachsen stammen, wäre ja auch überspitzt.
Und wer im Glauben ist, die Lügenpresse würde falsch oder unvollständig berichten, die sollten doch bitte auf die Meinungsvielfalt setzen, statt zu hetzen. In der Meinungsvielfalt können auch falsche Tatsachen enthalten sein oder daraus falsche Schlüsse gezogen werden. Die Meinungsvielfalt kennt nunmal keine Grenzen, das ist das schöne daran.
Wer die Kriminalisierung von Flüchtlingen gutheißt und sie in eine Statistik presst, der will nur wahre Absichten verhüllen, die anderswo verborgen sind: Den Wunsch nach einer Zuwanderungsbeschränkung oder die gelebte Ohnmacht der Politik den Verbot von rechtsextremen Parteien hinauszuzögern oder gegen Fremdenfeindlichkeit Position zu beziehen oder entschlossener vorzugehen. Mit der Reform der Kriminalitätsstatistik ebnet man den Weg zur dunklen Seite. Weil es das Ziel sein muss, die Kriminalität zu bekämpfen und nicht festzuhalten, woher sie stammt.
Man führt ja auch keine Bestandsveränderungen nach Nationalitäten in der Beschäftigungsstatistik auf, um festzuhalten, ob Nichtdeutsche uns die Arbeitsplätze rauben. Weil es nicht das Ziel ist, festzuhalten, wem diese Arbeitsplätze zugute kommen, sondern ob Arbeitsplätze überhaupt entstehen und offene Stellen besetzt werden.
Die Klarheit über all diese Dinge garantiert uns nur die Pressefreiheit. Wer nach der Pressefreiheit ruft und gleichzeitig den Meinungen anderer den Atem nimmt, missbraucht auch das Recht auf freie Meinungsäußerung und führt die Pressefreiheit in Verruf. Weil es das Ziel sein muss, die Meinung zu verbreiten und nicht an Trugbildern festzuhalten, um fremden Menschen die Freizügigkeit zu verwehren oder den Zugang zu Brot und Überleben zu erschweren.
Versammlungsfreiheit bedeutet nicht, sich mit jedem an einen Tisch setzen zu müssen, nur weil sich ein Teil der Bevölkerung versammelt hat. Ein Zusammentreffen zu boykottieren, bedeutet nicht, die Konfrontation zu scheuen, sondern sich seine Gesprächspartner sorgfältiger auszuwählen. Seine wahren Absichten kann man verschleiern, indem man verhindert, sich den Wählen zu stellen. Man will zwar sichtbar bleiben, um das öffentliche Meinungsbild zu domestizieren. Damit rechte und linke Parteien gleichermaßen ihre Wählerstimmen mobilisieren, indem sie einander zwar missbilligen, aber dennoch voneinander leben, um sich an den Zitzen der gesellschaftlichen Mitte zu nähren. So etwas nennt man dann Versammlungsfreiheit – vor den Wählern in Deckung gehen und in einem Atemzug für sie Stellung beziehen. Und die Versammlungsfreiheit der gesellschaftlichen Mitte wird schlichtweg aufgerieben, weil rechte und linke Parteien den Mob brauchen, um damit die Meinungsäußerungen anderer und die Pressefreiheit zu untergraben.

Die Verallgemeinerung in alle Richtungen ist nicht wünschenswert; all diese Dinge klingen ziemlich verworren. Weil es bei der Meinungsfreiheit nicht darum geht, was ich sagen will, sondern darum, anderen die Redefreiheit darüber zu überlassen. Weil es nicht das Ziel ist Meinungen zu verwässern, sondern zu verhindern, die Meinungen über einen Kamm zu scheren oder einen Sündenbock auszumachen. Denn das Ziel muss es sein, Vorurteile abzubauen anstatt sie durch Verallgemeinerung aufzubauschen. Ziel muss es sein, aufgeklärte Meinungsäußerung zu betreiben und nicht, die eigene Unfähigkeit zu vertuschen, weil es der bequemste Weg ist, sich vor den Problemen zu drücken.

„Good knit, and good link.“

Postings gegen das Vergessen // Anmerkungen zum Nationalsozialismus

Postings gegen das Vergessen

Anmerkungen zum Nationalsozialismus

von Jens T. Hinrichs, Pinocchio G. und Don Q. Mancha

Angesichts der kontroversen Zwiespältigkeit, um die kommentierte Ausgabe „Mein Kampf“ vom „Ihr-wisst-schon-wen“, gilt es den Urhebern nur ein paar Gedanken zu würdigen.
Nationalsozialisten würden Bücher verbrennen, die mit ihrer Weltanschauung unvereinbar wären. Sie hätten die Lügenpresse nicht gutgeheißen und ihre Vertreter bis zu ihrer Ausrottung hin verfolgt. Und die schändlichen Taten hätten ihre Propaganda vom Neuen genährt und deshalb Schlimmeres vollbracht. Das sollte vor unserem geistigen Auge abspielen, bevor wir kommentierte Neuveröffentlichungen giftiger Gedanken gutheißen, denn wer von den Verblendeten liest schon gerne Kleingedrucktes oder gar Kommentare. Wer von denen ist in der Bildungslage, Meinungen von Propaganda zu unterscheiden.
Sollte man zwischen total-elitärer Propaganda von Links oder Rechts differenzieren, statt über die Unterschiede in der gesellschaftlichen Mitte zu referieren? Die Entscheidung ist schwierig, von wem oder was man sich in Versuchung führen lässt. Doch zu sagen, „Was geschehen ist, bleibt geschehen“ ist geradezu beliebig genug für einen Ablenkungsversuch, um die Fehler abzutun; und die Menschheit für den Chor des selbstgerechten Mobs einzustimmen, um die Vergangenheit in die Zukunft zu holen.
Die Bewältigung wird schlicht vergessen, stattdessen lässt man sich überwältigen. Die aus der Vergangenheit gewonnen Erkenntnisse werden zu Grabe getragen, stattdessen werden sie aus unseren Gedächtnissen gelöscht. Stattdessen werden Zeitzeugen abgetan als hätte es sie nie gegeben. Wird uns Gott eine Alternative ein drittes Mal auf Erden vergeben, sehr wahrscheinlich. Wer will des Zünglein Schicksals Geißel sein?
Und bevor man sich seine eigene Meinung gebildet hat oder äußern kann, werden sie veräußert, angereichert mit neuen Kommentaren. Abgelaufene Urheberrechte als neues Allgemeingut angepriesen, um gewonnene Erkenntnisse mit unbescholtenen Kommerz überschrieben. Klingt übertrieben, aber wer des Anderen gelebte Erkenntnis untergräbt, der fällt nur auf Propaganda herein. Dem Menschen sollte klar sein, dass er nicht Salz, sondern der Kloß in der Brühe ist. Und bevor man sich versieht, wimmelt es nur so von Verwässerung. Klingt übertrieben, aber Menschen überleben, das ist auch ein von Gott mitgegebenes Urheberrecht. Doch von was ernährt er sich und von wem wird er angetrieben? Die Antworten darauf, auch eine Frage des Überlebens ist. Statt unbedingt auf kommentierte Bücher zurückzugreifen, sollte die Menschheit lieber an den Überlebenswillen appellieren, der nämlich Keim freier Meinungsäußerung ist.
Zwar interessiere ich mich für andere Meinungen, konzentriere mich insbesondere aber auf die Frage „Wie würden Sie entscheiden?“, die sich Leserinnen und Leser stellen sollten.
Zwar würde ich nicht mit Nationalsozialisten gleichziehen wollen, aber eine kommentierte Ausgabe von „Mein Kampf“ brauchen die Deutschen zum Überleben ebenso wenig wie übertriebene Alternativen zur Völkerverständigung.
Stattdessen hätte ich mir einen Thesenvergleich zwischen „Mein Kampf“ und „Deutschland am Abgrund“ und „Das Eva-Prinzip“ gewünscht; klingt übertrieben, aber auch das ist freie Meinungsäußerung, die ich mir nicht untergraben ließe, auch nicht per eigenwilliger Verfügung, denn hier ziehe ich, meine ganz persönliche Grenze. Man benötigt weder die Erlaubnis von seinem Arbeitgeber noch von der Familie, denn genau da beginnt der heutige Widerstand. Denn wer dieser Tage über Abgründe aufklären will, muss die Pforten zur Hölle öffnen und die Fesseln gewachsener Gepflogenheiten sprengen; klingt übertrieben, aber nun genug – aber all das gutheißen?
Unterdessen reift in uns selbst, ein umwitterndes Geheimnis, steckt in uns ein Funken Widerwillen, der uns antreibt, zu eigenen kritischen Gedanken oder ein kleiner Hitler. Eine schwierige Sachlage, nur neuzeitlichen Populismus oder altes Brauchtum kundtun sollte man nicht der Zukunft hinterlassen und den Nachkommen nicht zur erneuten Überwindung vererben; klingt übertrieben, aber auch das ist eine berechtigte Frage der Generationen-Gerechtigkeit, sich ihr verpflichtet zu fühlen, eine gerechte Sache.
Unterdessen reift in uns, mit Besorgnis und Bescheidenheit, die Angst, einer schleichenden Propagandawelle heran, das Untermenschen nicht mehr kritisieren dürfen, weil sie sonst Gefahr laufen, für kritische Berichterstattung als „Lügenpresse“ stigmatisiert zu werden; Gefahr laufen, das Unvollkommenheit und Unvoreingenommenheit zur Zielscheibe eines Progroms wird. Stattdessen ist es das gerechte Mittel vom rechten Bürgerdreck und nicht das richtige Mittel für den gerechten Zweck. Klingt übertrieben, ist es aber nicht.
Nicht im Geringsten würde ich den Alternativen mit den gleichen Mitteln beikommen. Stattdessen funkeln Schönfärbereien in neuem Bücherglanz. Klingt übertrieben, ist es aber nicht. Unterdessen treibt man ein gefährliches Spiel mit dem Zünglein an der Wahl, wie man mittels Phoenix-Asche noch mehr zivile Ohnmacht schaffen kann – ist das ein Einfall oder einfach nur Einfältigkeit. Das Tagwerk streng zu limitieren, legitimiert eben nicht. Klingt übertrieben, ist es aber nicht.
Stattdessen hat man nichts aus der Zeitschreibung gelernt. „Mein Kampf“ vom „Ihr-wisst-schon-wen“ war sein wichtigstes politisches Tagwerk und erschien im Jahr 2016 in zwei Bänden. Unterdessen wegschauen, was auf der gesellschaftlichen Bühne geschieht, handlungsunfähig, wie schon zur Zeit der Weimarer Republik.
Stattdessen warten, ob die Unvoreingenommenheit Haltung bewahrt oder ob das Tagwerk vor lauter Unvollkommenheit nur so strotzt, in dem Maße, von einen eigenartigen Beigeschmack prall gefüllt ist, dass es saubere Regale und bürgerliche Hallen füllt, saubere Gedanken vergiftet und abermals die öffentliche Weltbühne erschüttert – aufs Neue die Archilles-Verse der Gesellschaft juckt. Unterdessen läuft mir die Welle 2.0 eiskalt das Rückgrat herunter.

„Good knit, and good link.“