Backlinks to 1984 // Hommage an das ePapyrus

Backlinks to 1984

Eine Hommage an das ePapyrus

In the year of 2053 before Kindle (November 2007) steckten die Bürger von Alexandria ihre berühmte Bibliothek in Brand. Und so waren die wichtigsten Wortschätze, das antike Big Data menschliches Fassungsvermögens bis dahin zusammengetragen, auf immer verloren. Unter den … befanden sich Schriften von …. und wurde von Abertausenden vergessen.

Am 10. Mai 1933 legten keine Analphabeten Bücher in Schutt und Asche. Mit einem Phönix hatten sie nicht gerechnet. Weltweit erinnert die ISBN und hierzulande eine Buchpreisdoktrin an verb(r)annte Werke. Im Internet archive.org und das Projekt Gutenberg. In anderen Teilen der zivilisierten, freien Welt kontaminiert der Kreationismus die Wissenschaft, die Propaganda torpediert die Demokratie. Anderswo geht die konservierte Rezitation vehement runter wie Rizinusöl und ist nicht einmal in Datengold aufzuwiegen.
Mit dem Internet wäre es unmöglich alles Wissen mit einem Streichholz zu verbrennen oder in einem Staatsstreich zu verlieren. Und mithilfe der Cloud besteht keine Gefahr, unseren globalen, intellektuellen Datenbestand in einem Unglück beziehungswaise1) Dislike zu verlieren.
Heutzutage wir der Kummer über verb(r)annte Wortschätze durch innovative Frustrationen ersetzt, die aus dem Unmöglichen resultiert, durch ein MEHR von Halbwissen zu navigieren – „googln“ zu müssen, das in den neu(e)n Jahren, die seit dem Branding des elektronischen Papyrus vergangen sind; angehäuft, aggregiert und synchronisiert wurde.
Das Leidwesen des Homo Socio Oeconomicus mitsamt seiner stereotypischen Sozialcharaktere stammt vermutlich aus seiner Unfähigkeit, alles Gepostete, Rekommentierte, Getwitterte und „Gefälltes“ und sogar Bedrucktes und Beeindrucktes und von vielen als naiv oder wesentlich Betrachtetes zu lesen.

Das vernünftige / künftige Internet bietet (be)zahLose(,) Gelegenheiten unser Wasser / Wissen zu versüssen / vergrössern. Mit anderen Worten: die Überfülle an Informationen verstärkt das U(n)ser Gefühl / „Gefällt, mir!“ der Hilflosigkeit des geschätzten und kultivierten Überfordertseins … wendet sich in Echtzeit an Eingebildete / Halbwissende mitMenschen, Internetgeeks, Jugendsprachler, Anglizismenproduzenten und Linkfabriken im Überall und postuliert: „Kommt, testet und bewertet“ – und im selben Atemzug: „Kommentiert, schrei(b)t, verwässert oder liquidiert und verdient euch Euren IP-Platz in dieser lautlosen Enzyklopädie!“

Diesen Trend kommentierte Jens T. Hinrichs am 29. April 2016.

1) das Wort beziehungswaise steht hier für die Abwertung eines Zusammenhanges

Gemeiner Astroturf // Moral von der unendlichen Geschichte 3

Gemeiner Astroturf// Moral von der unendlichen Geschichte 3

DIE CHRONIKEN über Social Media ist … ! gehen in das fünfte Jahr. Gestern feierten wir den dritten Geburtstag meiner Nichte, I.C. Ihr Vater bekam kurz zuvor ein Tablett geschenkt. Und bedauerlicherweise bin ich Angesicht seiner Experimentierfreude nicht mehr so recht davon überzeugt, dass man Kleinkinder vom eDingsda fernhalten kann. Sobald sich Erwachsene in der Gegenwart ihrer Kinder für eDingsda begeistern können, weckt es ihre unbescholtene Neugier. Hier zeigt sich die aus der Biologie bekannte Nachfolgeprägung – Entenvater schreitet voraus, die Küken trotten instinktiv hinterher.

Es mag noch recht verniedlicht klingen, das I. C. bereits die einschlägigen Bedienungselemente für Bild- und Videowiedergabe erkennt und zu deuten weiß. Doch wenn man sich eine funktionierende Kindersicherung für seine eigenen Kinder wünscht, nimmt man unter Dreijährige nicht mit zum Einkaufen in einen Megastore – die manuelle Kindersicherung beginnt allerorts und noch vor einem Touch-Erlebnis.

Unwissentlich wurde I. C. so zu einem Spielball der Internetwirtschaft. Wahrscheinlich war es das funkelnde Glitzern des Tabletts, das I. C. in einen Bann zog. Sie tippte einfach auf ein ihr bekanntes Symbol und schon hatte sie die Aufmerksamkeit eines künftigen Silversurfer-Ehepaares geweckt. Die Silversurfer-Ehefrau blickte zwar verwundert drein, aber optimistisch sprach sie folgende Worte zu ihrem noch skeptischen Ehemann: „Siehst Du, wenn die kleine Dreijährige das können, dann können wir das auch!“
Also wer soll hier wem noch etwas vormachen, früher oder später, überzeugen sie uns alle.

Auch ich – der so böse schreibende Onkel J. – der es besser wissen sollte, hat jede Menge Fotos vom Geburtstag geschossen und sich entschlossen, sie auf einem Heimnetz zu speichern.

Nichtdestotrotz wehre ich mich gegen die allgegenwärtige Gefahr einer technischen Bevormundung oder kognitiven Selbstverstümmelung. Ich gebe mich nicht damit zufrieden, nur dann meinen Grips einzuschalten, sobald irgendein eDingsda eingeschaltet wird oder mich der stetigen Auferlegung zu beugen, selbst für die Sicherheit meiner Privatsphäre ständig aufs Neue Vorsorge treffen zu müssen. Vergebens habe ich in den vergangenen Jahren nach einer verlässlichen Default-Einstellung gesucht, denn meine persönliche Einstellung half mir weder in der Gegenwart noch vertraue ich auf die Zukunft.
Aber auch die sozialen Medien und andersartige Netzwerke sind Pfade, die ich beschreiten und bestreiten muss, wenn ich nur einen kleinen Anteil der Welt so etwas wie Menschenverstand einbleuen will, seuftz. Notfalls kann ich meine Geräte gewissermassen von der Netzdose abziehen. Aber selbst dann, wenn ich mich dazu verleiten ließe, würde ich zuvor noch meine Daten in einer Zeitkapsel sichern wollen und meinen Aberglauben in meinem Testament für die Überlebenden speichern.

Gemeiner Astroturf

Gemeiner Astroturf

Anfangs war es so schier und einfach – rein mit dem Stecker und schon ist man drin. Raus mit dem Stecker und schon ist die Verbindung unterbrochen. Von Beginn des sozialen Medienzeitalters an, stellte niemand Fragen, niemand hörte auf Kritik. Alle erlagen der Gier nach MEHR.
Sind heutige Kritiker wie Jens T. Hinrichs nur neuzeitliche Don Quijotes, die einfach nur zu viel in die hinterlassene Internetlektüre hinein interpretieren? Wie vermag es uns gelingen, Ursache und Auswirkungen sozialer Medien und seinen unartigen Verwandten auf reale Menschen richtig zu erforschen und für die Menschheit zu erfassen?
Anfangs dachte Jens T. Hinrichs, man müsse neue Untersuchungsmaßstäbe ansetzen – so außergewöhnlich ist es dann aber doch nicht. Um es begreifbar zu machen, nutzt Jens T. Hinrichs einfach die Physik und leitet daraus sozio-ökomomische Theorien ab.
Man stelle sich nur vor, was Sir Isaac Newton gedacht und getan hätte, wäre ihm statt eines Apfels ein Apple auf den Kopf gefallen. Sein Projekt tritt außerdem den Beweis an, das der elektrische Widerstand als Indikator für die soziale Akzeptanz von Inhalten dienlich sein kann. Er gibt zu, die alten Physiker hatten anderes im Sinne, aber auch sie hätten ihm angesichts der sozialen Abgründe beigepflichtet.
Allerdings will es Jens T. Hinrichs auch Nicht-Mathematikern, Musikern und Analphabeten verständlich machen. Dazu hat er sich zu einer Langzeitbeobachtung entschlossen, um für den Einzelfall, die geeignete Unterhaltungsmethodik herauszufinden und die geeignete Erziehungsmaßnahme zu entwickeln. Ob das soziale Netz dafür bereit ist oder ob wir einen Moment lang dabei alle OFFLINE sind, ist völlig unerheblich und das macht sein Projekt so einzigartig.

Gemeiner Astroturf

Gemeiner Astroturf

Brauchen wir wirklich noch ein Buch über Social Media? Ich denke, dieses ja, denn dem Autor geht es in erster Linie nicht, um noch mehr Fakten zum Umgang mit sozialen Medien und sozialen Netzwerken. Obwohl auch diejenigen, die gut recherchierte Fakten und Hintergrundberichte suchen, diese finden.
Mit jeder Menge Such(t)maschinenpotential hat Jens T. Hinrichs das Schicksal der betroffenen Menschen in den Vordergrund gestellt. Menschen, die ohne eigenes Hinzutun den Schutz ihrer Privatsphäre opfern und zudem um ihre zukünftige Identität und Selbstbestimmung fürchten müssen.
Was wissen, was erfahren wir denn überhaupt noch aus dem Internet? Niemand scheint wirklich daran interessiert zu sein, welche dunklen Ausmaße die sozialen Medien haben werden. Die Leser gehen auf eine unendliche Reise und lernen das trostlose Leben der Nutzer kennen, die sich aber mithilfe der Chroniken selbst retten können. Doch das Internet hält sich nicht an unberührte Privatpersonen. Auch zu den noch in der realen Wirklichkeit lebenden Menschen nimmt Jens T. Hinrichs den Leser mit und lässt ihn, auch durch Satire, Briefe, Rhythmen, Kabarett und Karikaturen, am Alltag in den sozialen Medien teilhaben. Eines haben „Die Chroniken über Social Media ist …!“ gemeinsam, den unerfüllbaren Wunsch, dass das Internet wieder so werde wie vor der Zeit als es soziale Medien und soziales Netzwerken gab.
Der Leser kommt nicht umhin, am Ende des Buches zu fragen, wann gibt es eine Fortsetzung und wo einen interaktiven Zugang zu seinen Gedanken.

Lesenswert // Fukushima 360°

I can ReaCh! / Lesenswert

Das atomgespaltene Leben
der Opfer vom 11. März 2011:
44 Foto-Reportagen von Alexander Neureuter

Fukushima 360º (trailer, English) from Alexander Neureuter on Vimeo.

Brauchen wir noch ein Fukushima-Buch?

Ich denke, dieses ja, denn dem Autor geht es in erster Linie nicht um noch mehr Zahlen zum Unglück in Japan oder Bilder einer qualmenden Reaktorruine, obwohl auch derjenige, der gut recherchierte Fakten und Hintergrundberichte sucht, diese findet.
Leise und behutsam hat Alexander Neureuter die Schicksale der betroffenen Menschen in den Vordergrund gestellt. Menschen, die ohne eigenes Verschulden alles verloren haben und zudem um ihre Gesundheit und Zukunft fürchten müssen.
Was wissen, was erfahren wir denn überhaupt noch aus Japan? Niemand scheint wirklich daran interessiert zu sein, dass bekannt wird, welche Ausmaße die Dreifachkatastrophe von Fukushima hatte.
Im Buch werden 44 Menschen porträtiert, die zwischen Hoffnung und Resignation ihren Alltag bewältigen: Der Leser kann auf eine fast unglaubliche Reise gehen und lernt das trostlose Leben der Menschen kennen, die aus der evakuierten Zone nichts, außer sich selbst retten konnten.
Doch die Strahlung hält sich nicht an menschgemachte Evakuierungszonen. Es gibt Orte in der Präfektur Fukushima, die deutlich radioaktiv verstrahlt sind, aber nie evakuiert wurden. Auch zu den dort lebenden Menschen nimmt Alexander Neureuter den Leser mit und lässt ihn, auch durch wunderschöne, großformatige Bilder, an ihrem Leben teilhaben.
Eines haben sie alle gemeinsam, den unerfüllbare Wunsch, dass es wieder so werde wie vor dem 11. März 2011 und der Leser kommt nicht umhin, am Ende des Buches zu fragen, was wäre wenn hier in Europa ein Atommeiler havariert.

von Jens T. Hinrichs

Quellennachweis

Autor: Alexander Neureuter
ISBN-13: 978-3000447334
Erscheinungsdaten: 10. Februar 2014, 1. Auflage 2/2014
Preis: 29,90 Euro, 2 Euro vom Erlös werden gespendet
Sprache: Deutsch
Umfang: 209 Seiten
Format: broschiert, 29,8 x 26,4 x 1,6 cm
Verlag: Alexander Neureuter, www.neureuters.de