Kolumne // Apropos anno domini

Kolumne // Apropos … Daumen!

Apropos anno domini

von Jens T. Hinrichs

Um es auf den Urknall eines Erklärungsversuches zu bringen – nun ja, man sollte schon genauer hinschauen – transformierte ich zu Beginn meiner unendlich-fabelhaften Geschichte aus der Relativitätstheorie die Realitivitätstheorie. Ich befragte mich immer wieder auf Neue, ob die Wissenschaft Beweise für den Mitmach-Impuls und die Expansion des Internets zutage fördert. Oder bleibt sie etwa völlig außen vor? Bedarf es stattdessen neuro-physiologischer Forensik. Ich weiß wirklich nicht. Ich stolpere gerne unendlich – zumindest bis an mein Lebensende – durch das dunkle Internetnichts auf der Suche nach einem Sternenfunken Hoffnung. Solange ich mich der Blindheit entziehen und dem Aberglauben trotzen kann, dient mir mein Biss-chen an gesunder Menschenstand und kognitives Gewissen als Kompass. Haltet mich für durchgeknallt oder für besser. Nennt mich von nun an einfach einen Nerd, wie die in der bekannten Fernsehserie „Big-Bang-Theory“. Manchmal bedarf es einfach nur ein wenig mehr Zeit, bis ich „Social Media ist …!“ als Theorie betiteln darf, die durch langlebige Experimente bestätigt oder widerlegt wird. Instinktiv bin ich aber schon jetzt davon überzeugt, dass ich von Zeit zu Zeit und durch ständig wiederholte Experimente widersprüchliche Ergebnisse akzeptieren muss. Wer aber Antworten sucht und finden will und einen Erklärungsansatz benötigt, der könne ebenso seine sozialen Zirkel oder Such(t)-Orakel befragen. Aber, wie mir scheint, ist uns über Social Media bereits eine Erkenntnis ganz sicher: ein geistiger Horizont ist bislang noch nicht in Sicht. Zu Risiken und Nebenwirkungen braucht man nur weitere Chroniken über Social Media ist …! heraufzubeschwören – deuten und hinterfragen, müssen Leserinnen und Leser das Kleingedruckte schon selbst.

Kolumne // Apropos tafelfertig – Großes Phishing, kleine Fische

Kolumne // Apropos … Daumen!

Apropos tafelfertig – Großes Phishing, kleine Fische

von Jens T. Hinrichs

„Das Internet ist wüst und seine Oasen müssen kultiviert werden“, sprach einst vermutlich ein Journalist, der nun keiner mehr sein wollte, weil er vor kurzem seine Unabhängigkeit erklärte und mit diesen Worten zur Revolte aufschrie. Dieses idyllische Refugium schuf er sich, weil er Erkenntnis und Lebenselexir zu seinen erleuchteten Verbündeten aufblühen lies, um mit ihnen dem Sand der Zeit und dem Zenit der Sonne zu trotzen. War es ihm bewusst, dass ihm eine gläserne Zukunft auflauerte. Dennoch hat weder ihn noch jemand seine Worte mit einer noch besserer Feder besiegt – was er mit wiederlicher Schwafelei kundtut.

Irgendwann, ein Mal, müssen sich Prosumenten mit den fruchtbaren Lenden ihrer Sämereien aufwiegen lassen. Dieses Ende ist aber noch lange nicht in Guckweite. Eben dieses Ende ist nur das Allheilmittel zum Zweck, das den Wissenhunger und die Alltagsdürre zu stillen vermag. Irgendwann, zwei Mal, sucht uns die Blütezeit heim, aber nur kurz. Davor und danach oder bis zum nächsten Mal können nur Nomaden, Karawanen und Wüstentiere – also reine Spezialisten – der trügerischen Überlebensraum etwas Sündhaftes abgewinnen.

Fernab dieser gläsernen Idylle gleicht es einer liquiden Oberflächlichkeit auf dem Schiffer segeln. Die Pracht, die sie auf ihre Schultern luden, wird eine in Maschen gewobene Unzahl kleiner Fische sein. Die Schiffer sind auf Fahrt immer Obacht, dass ihre Pracht auch ja nicht vertilgt den übernächsten Hafen erreicht. Was sie aber dabei aus den Maschen verloren, auch noch unverdorbene Fische sind, die noch viel kleiner sind als die, die sie beim letzten Hafen mit in ihre Maschen zogen. Doch was sie vergassen, war es die Maschen enger zu ziehen und sie wieder kleinere Fische verloren und mitunter größere Fische verdarben. Sie wussten um ihr Handwerkszeug, doch das es bei all der Pracht und der Überfahrten zu anderen Häfen, auch das Leben selbst einen Zyklus hat, hatten sie schlicht aus ihrer Erkenntnis gelöscht. Auch ein Bei-Fang von größeren Fischen nützt an dem reich gedeckten Überbleibsel nix.
Doch was außerdem vergassen, das einzelne Fische in einem Schwarm gegen Raubzüge dieser reif überlegten Tafel noch viel bessere Überlebenschancen haben. Und wir wollen auch nicht vergessen, was uns der Chaosmos lehrt: Die Natur findet immer immer einen Weg. Und deshalb werden noch so kleine Fische dem Maschen entwischen. Und bei all der reif überlegten Tafel sollten große Schiffer und kleine Fische nicht auf den kommerziellen Quotenfang setzen. Ihr glaubt es nicht? Was hat der Journalist denn vergessen, etwas das Quotenfang verderblicher sind als keimende Sämereien, also nix anderes sind als Sprossen. Daran sollte sich Fische immer wiederlich erinnern. Warum sollte man es nicht mit einer Revolte versuchen und in unbekannte Untiefen flüchten. Selbst dort lebende Gemeinschaften sind autark und erhalten Besuch von der liquiden Oberflächlichkeit.
Insbesondere noch so neue Pracht auf neuere Schiffe zu laden (oder zu löschen), müssen die Allmacht an Verantwortung in Balance halten. Bevor es zu spät ist und die Pracht auf Überfahrten zu kentern droht oder verloren geht. Kann man die Havarie denn überhaupt nicht überwinden und verloren Gegangenes (ver)bergen? Aber vielleicht strandet das Vergangene in den besagten Untiefen, so die Hoffnung des versagten Journalisten.
Aber die Kapitäne und die Hafenmeister glauben noch an die Pracht, die sie auf sich nehmen. Ist der Hafen, ein drittes Mal, erreicht, wird die Pracht ohnehin gelöscht, ohne wirklich zu verschwinden. Und damit es um der Wahrheit willen auch kein zähes Ende nimmt, wartet auch schon wiederlich eine neue Pracht, mit der das Schiff beladen auf Überfahrt gehen soll. In etwa verhält es sich mit Webinhalten. Werden Webseiten mit Content ungleich beladen, so droht das Schiff samt Pracht abzusaufen. Um Himmelswillen sollte man seine Pracht auch gleich auf ein ganze Flotte verteilen. Dadurch scheint die Pracht ganz besonders sicher zu sein, denn es gilt dann nur noch mit jeder Art von Seemannsgarn die Havarie der gesamten Flotte zu vermeiden. Geteiltes Leid ist dann halbes Leid. „Halbes Leid“ ? Je nach dem viele Schiffer an der Reederei beteiligt sind, ist das viel weniger. Entspricht eher einer Allokation der Wertschöpfungsprozesskette, ohne zu wissen wie viel diese in Maschen gefangenen Fische wert sind. Auch Schiffbrüchigen und blinden Passagieren will man mit dieser Maschenformat zu einer sicheren Überfahrt verhelfen.

Aus gutem Grund zählen Piraten und Meuterer oder geläuterte Journalisten nicht dazu. Warum das so ist, davon muss man sich erst einmal im Praxistest überzeugen. Aber auch noch so jede bunt-gemischte Mannschaft kann durch Küstenwache, Lotsen und Epidemien gestoppt werden. Nicht selten auch durch ein falsches Zusammenspiel, das man dem menschliches Versagen zuspricht. Selbst wenn ein viertes Mal ein Schiff in der Flotte einer versammelten Reederei verloren zu sein scheint, kann die Pracht leichter geborgen werden, denn trotz Risiken und Abenteurer auf hoher Überfahrt, wartet immer wieder eine neue Pracht oder ein Geisterschiff wird gerade ausgemacht oder gerade ein noch viel schöneres Schiff vom Stapel gelassen oder ein überholtes Schiff aus der Werft entlassen oder ein vermeintlich moderneres Schiff empfängt eine neue Taufe.
Befürchtet man, dem Durst zu erliegen oder gehört man zu denjenigen Bedrohten, die Fressen oder gefressen werden oder zu Letzteren, die weder Lebensmüh‘ noch Zeitnot scheuen oder gar unerschrocken sind?
Unentschlossenen sei gesagt, die Antwort kann noch durch eine Fata Morgana und einen Tiefenrausch verschwommen oder an Unbehaglichkeit übertroffen werden. Dennoch ist bereits unstrittig: Konsumenten produzieren selbst und Produzenten lassen ihre Schiffe steuern! Nicht einmal muss man beides wollen – fusionieren tun beide Seiten durch ihre Präferenzen, ist doch klar. Aber müssen wir weitere Häfen und Ladezeiten billigen, wenn es doch reicht die Route zu präzisieren? Lasst uns doch mit dem Gedanken spielen und dem Schiffe versenken zusehen. Revoluzzer lehnen sich derweilen zurück, sie haben ohnehin nix von der Reederei, sondern nur fragwürdige Schiffsbeteiligungen.

Kolumne // Apropos Branchenstrip

Kolumne // Apropos … Daumen!

Apropos Branchen(s)t(r)ipp

von Jens T. Hinrichs

Der Branchenstrip in Munichenheim entpuppte sich als Zirkus, oder so. Man scheuchte Opferlaien quer durch die Manege, um auch ja alles mitzubekommen. Einer Dressur bedurfte es nicht, denn von Saal- und Etagennummern in der faltbaren Route fehlte jede Spur, wie dürftig. Alte Safari-Beobachter wurden gut behütet. Opferlaien mussten sich jedoch sputen, um nicht von prähistorischen Elefantenherden zertrampelt zu werden, die sich durch den Trubel schlängelten. Es wimmelte von überlebenswilligen Kleinspezies und mammuthaften Früchtchen.
Intensiv vernahm ich ein zähneflechtendes Baumknirschen und ein bemitleidenswertes Klammeraffengelächter. Währenddessen frug ich mich, ob man die fabelhaften Geschichten auf einem blanken Storyteller serviert bekommt und womit man sich verdient machen muss, um Mitkochen zu dürfen. Empirische Herkünfte waren bisher nur unverdaulich, als flüchtige Schlüsselnote oder unausgegorenes Factoryspiel auszumachen gewesen.

Der „Online First“-Survival mit prähistorische Zeitungslöwen bleibt hart. Jeder vermag die öffentliche Meute für sich als Beute in Anspruch zu nehmen. Nur Unmutige wagen sich in die öffentliche Defensive, anstatt selbst gejagt zu werden. Einer wird das digitale Nachbeben spüren und „offline“, dem Recycling erliegen müssen. Ebnete man doch bloß dem paradigmatisch „missing link“ den noch unentdeckten Vortritt.

Keinen Applaus wert: Ein silbern haariger Baumbewohner trifft mit seinen Worten nicht ins Mark. Nur „word stretching“ und „wake up“-Trommeln zwischen der Götterdämmerung! Selbst ein ausgeschlafener Siebenschläfer kann es übertreiben. Kann ein silbern haariger Baumbewohner einem stolzen Zeitungslöwen beeindrucken? Urplötzlich kam ein silbernes Artefakt zum Vorschein, offenbar wurde schon häufiger mit diesem Requisit herumgefuchtelt und für andere Schauplätze ge-featured.
Die öffentliche Defensive erntet scharfe Worte, trotz stumpfer Baumtrümpfe – geradezu manifestiert. Aber mit dieser zubetonierten Attitüde kann der beflügelte Zeitungslöwe fremden Nachwuchs oder gerade seine Meute beeindrucken. Ich horche dem Dschungelgeschrei, das einer Mixtur von schreienden Klammeraffen, liebestollen Hyänen-Gebell und blökenden Wölfen gleicht. Wie mir scheint, wird gerne auf Baumwipfeln und dazwischen gezankt.
Immer wieder dieses Nachbeben, der Print-Dschungel dürfe nicht abgeholzt werden. Meiner laienhaften Beobachtung zufolge dürften aber auch Print-Aktivisten nie
in Stasis fallen, allein auf Zugeständnisse zu hoffen, wäre eine Überholspurweite zuviel des guten Willens erpresst. Für die Zukunft prophezeie ich lokale Insellösungen und leinwandbehaftete Aufforstungen. Der Grüne Punkt ist der virtuellen Buchbindungen aber sicher. Und dass uns auch keine stufenartige Absperrung vor virtuellen Unarten
abschirmen kann. Die uns auferlegte Doktrin-Artenvielfalt will uns doch nur speichern und Erdachtes zum grünen Dschungelmodell ethikettieren. Kluge Spezies lernen zwar aus ihrer Umwelt, inszenieren aber eine „gewollte“ Artenvielfalt, bei der sich die naive Freiwilligkeit des Erfasst-Sein-Wollens als Übeltäter entlarvt, der sich dann als Erfüllungsgehilfe einer monetisierten Artenvielfalt – ohne staatliche Kontrolle und weit außerhalb des persönlichen oder menschlichen Einflussbereichs – entpuppt.
Viele Guerillas kennen sich, präsentieren sie immer denselben einstudierten lnitiationsritus? Auch solche Stadien gefallen mir nicht – stattliche Souveränität hin oder her. Das werde ich ja wohl noch sagen dürfen, denn man muss es nicht dem Dschungel überlassen. Ich hoffe, es findet eine öffentliche Zustimmung und eine Auseinandersetzung mir ihr statt. Sicherheit halber schreibe ich es hinter meine „grünen“ Ohren. Mein Public-Value-Abenteuerdurst bleibt ungestillt. Schon jetzt zweifele ich dauerhaft an der öffentlichen Artenvielfalt, bleibt sie doch weitestgehend nur von Unfreiwilligen gezahlt. Möglicherweise wird die ungeliebte Quersubventionierung auf den Baumartenschutz verschoben. Erst dann werden es beflügelte Zeitungslöwen als gerecht empfinden.
Hoch oben auf einer privaten Aufsichtsplattform war es für mich jedenfalls eine Premiere „Who the fuck is …?“ kennenzulernen. Dort treffen sich seit Jahren Dschungel-Kontrahenten, natürlich zwecks kultivierter Aufforstung.
Derweilen halte ich mich an die selbstverherrlichende Klingeltonansage eines Dschungel-Schamanen, wonach es keine Zukunft für einen bezahlbaren Dschungel geben wird, allenfalls wird es virtuelle Güter geben. Ich sage aber, auch diese Blütezeit wird einmal vorübergehen, und dann, welches Beuteltier schröpft ihr dann? Mein Überlebensmotiv heißt: „Elektronische Mutation frisst prosumierende Beutetiere“.