Kolumne // Apropos Branchenstrip

Kolumne // Apropos … Daumen!

Apropos Branchen(s)t(r)ipp

von Jens T. Hinrichs

Der Branchenstrip in Munichenheim entpuppte sich als Zirkus, oder so. Man scheuchte Opferlaien quer durch die Manege, um auch ja alles mitzubekommen. Einer Dressur bedurfte es nicht, denn von Saal- und Etagennummern in der faltbaren Route fehlte jede Spur, wie dürftig. Alte Safari-Beobachter wurden gut behütet. Opferlaien mussten sich jedoch sputen, um nicht von prähistorischen Elefantenherden zertrampelt zu werden, die sich durch den Trubel schlängelten. Es wimmelte von überlebenswilligen Kleinspezies und mammuthaften Früchtchen.
Intensiv vernahm ich ein zähneflechtendes Baumknirschen und ein bemitleidenswertes Klammeraffengelächter. Währenddessen frug ich mich, ob man die fabelhaften Geschichten auf einem blanken Storyteller serviert bekommt und womit man sich verdient machen muss, um Mitkochen zu dürfen. Empirische Herkünfte waren bisher nur unverdaulich, als flüchtige Schlüsselnote oder unausgegorenes Factoryspiel auszumachen gewesen.

Der „Online First“-Survival mit prähistorische Zeitungslöwen bleibt hart. Jeder vermag die öffentliche Meute für sich als Beute in Anspruch zu nehmen. Nur Unmutige wagen sich in die öffentliche Defensive, anstatt selbst gejagt zu werden. Einer wird das digitale Nachbeben spüren und „offline“, dem Recycling erliegen müssen. Ebnete man doch bloß dem paradigmatisch „missing link“ den noch unentdeckten Vortritt.

Keinen Applaus wert: Ein silbern haariger Baumbewohner trifft mit seinen Worten nicht ins Mark. Nur „word stretching“ und „wake up“-Trommeln zwischen der Götterdämmerung! Selbst ein ausgeschlafener Siebenschläfer kann es übertreiben. Kann ein silbern haariger Baumbewohner einem stolzen Zeitungslöwen beeindrucken? Urplötzlich kam ein silbernes Artefakt zum Vorschein, offenbar wurde schon häufiger mit diesem Requisit herumgefuchtelt und für andere Schauplätze ge-featured.
Die öffentliche Defensive erntet scharfe Worte, trotz stumpfer Baumtrümpfe – geradezu manifestiert. Aber mit dieser zubetonierten Attitüde kann der beflügelte Zeitungslöwe fremden Nachwuchs oder gerade seine Meute beeindrucken. Ich horche dem Dschungelgeschrei, das einer Mixtur von schreienden Klammeraffen, liebestollen Hyänen-Gebell und blökenden Wölfen gleicht. Wie mir scheint, wird gerne auf Baumwipfeln und dazwischen gezankt.
Immer wieder dieses Nachbeben, der Print-Dschungel dürfe nicht abgeholzt werden. Meiner laienhaften Beobachtung zufolge dürften aber auch Print-Aktivisten nie
in Stasis fallen, allein auf Zugeständnisse zu hoffen, wäre eine Überholspurweite zuviel des guten Willens erpresst. Für die Zukunft prophezeie ich lokale Insellösungen und leinwandbehaftete Aufforstungen. Der Grüne Punkt ist der virtuellen Buchbindungen aber sicher. Und dass uns auch keine stufenartige Absperrung vor virtuellen Unarten
abschirmen kann. Die uns auferlegte Doktrin-Artenvielfalt will uns doch nur speichern und Erdachtes zum grünen Dschungelmodell ethikettieren. Kluge Spezies lernen zwar aus ihrer Umwelt, inszenieren aber eine „gewollte“ Artenvielfalt, bei der sich die naive Freiwilligkeit des Erfasst-Sein-Wollens als Übeltäter entlarvt, der sich dann als Erfüllungsgehilfe einer monetisierten Artenvielfalt – ohne staatliche Kontrolle und weit außerhalb des persönlichen oder menschlichen Einflussbereichs – entpuppt.
Viele Guerillas kennen sich, präsentieren sie immer denselben einstudierten lnitiationsritus? Auch solche Stadien gefallen mir nicht – stattliche Souveränität hin oder her. Das werde ich ja wohl noch sagen dürfen, denn man muss es nicht dem Dschungel überlassen. Ich hoffe, es findet eine öffentliche Zustimmung und eine Auseinandersetzung mir ihr statt. Sicherheit halber schreibe ich es hinter meine „grünen“ Ohren. Mein Public-Value-Abenteuerdurst bleibt ungestillt. Schon jetzt zweifele ich dauerhaft an der öffentlichen Artenvielfalt, bleibt sie doch weitestgehend nur von Unfreiwilligen gezahlt. Möglicherweise wird die ungeliebte Quersubventionierung auf den Baumartenschutz verschoben. Erst dann werden es beflügelte Zeitungslöwen als gerecht empfinden.
Hoch oben auf einer privaten Aufsichtsplattform war es für mich jedenfalls eine Premiere „Who the fuck is …?“ kennenzulernen. Dort treffen sich seit Jahren Dschungel-Kontrahenten, natürlich zwecks kultivierter Aufforstung.
Derweilen halte ich mich an die selbstverherrlichende Klingeltonansage eines Dschungel-Schamanen, wonach es keine Zukunft für einen bezahlbaren Dschungel geben wird, allenfalls wird es virtuelle Güter geben. Ich sage aber, auch diese Blütezeit wird einmal vorübergehen, und dann, welches Beuteltier schröpft ihr dann? Mein Überlebensmotiv heißt: „Elektronische Mutation frisst prosumierende Beutetiere“.