Apropos Drahtseilakt

Apropos Drahtseilakt

Babbelrina balanciert auf dem Drahtseil, darunter hat man für sie ein Netz gespannt. Viele wissen, ohne ein gespanntes Netz ist es spannender für die Follower. Sollte man also das Netz entfernen, damit die Spannung im Leben wieder steigt?
Auch das balancierte Leben, dass auf und vom Drahtseil hängt wäre wieder spannender; nur weniger für die, die vom Netz abhängig sind.
Doch was sagt uns diese Momentaufnahme? Mit den ersten Tritten des Balanceakt erhascht unsere Babbelrina ein gewissenhaftes Raunen im Publikum. Mit jedem nächsten Tritt starrt das Publikum ein wenig MEHR auf die Protagonistin.
Sollte sie die Balance verlieren und ins Netz hinabstürzen, stirbt ihre Aufmerksamkeit einen qualvollen Tod. Aus heiterem Himmel dann ein urplötzlichen Taumeln. Geradeso oder mit frontaler Absicht, gelingt es ihr das Publikum bei der Stange zu halten.

Bis zum Ende muss sie nicht nur die Herrschaft über das Drahtseil zurückzuerlangen, sondern auch die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich lenken.

Wider Erwarten blickt sie hinab auf das gebannte Publikum. Sie taumelt, verliert für einen Augenblick die Balance und ehe sie sich mit dem Publikum versöhnt stürzt sie wie einstudiert hinab. Enttäuschende Schreie im Publikum, das entwöhnt die Arena verlässt.
Hätte sie doch bloß nicht das Netz gespannt, in dem sie nun eingebettet lag. Sie versucht die Schmach mit gesunden Menschenabstand zu ertragen, mit einem mechanischen Lächeln, aber trockenen Tränen im inneren Antlitz.
Aber nun mal ehrlich; wäre ihr Leben, das am dünnen Drahtseil hing spannender gewesen oder hätte sie sich nur ihrem Publikum zuliebe ohne Netz vor der momentanen Schmach geschützt? Doch sie hat überlebt, trotz der Schmach, die sie dem Netz verdanken muss. Gott sei Dank! Womöglich sollte man sich auch nicht zu sehr darauf fokussieren, was das Publikum bewegt.

von Jens T. Hinrichs

Apropos Selbstfindung im Internet

Apropos:

Selbstfindung im Internet

Neulich stolperte ein Kollege über das volkswirtschaftliche Axiom: „Umsatz rauf, Kosten runter.“ – zwei Extreme, unvereinbar, so bewertete er es. Weshalb hängen – insbesondere in Kleinverlagen – solche Motivationssprüche nur an Pinnwänden, online sind sie nicht zu finden. Manchmal glaub‘ ich, hier ist eine Unternehmenskirche am Werkvertrag beteiligt.
Damit ist es nicht genug, in Arbeitsvertragsklauseln stehen dann Formalien wie „Überstunden gelten als abgegolten“, auch so kann man Kosten senken, indem man Menschen einfach nicht mehr am Produktivitätsfortschritt partizipieren lässt.
Gerne redet man aber noch von Provisionen und Unternehmensbeteiligungen, die nicht verbrieft sind; man muss halt darauf vertrauen. Diese Form der Motivation ist halt auch eine gewollte Innovation. Solche „Absprachen“ kann man ja zurücknehmen, auch dafür gibt es Klauseln. Und gegen verbriefte Klauseln kann man sich nicht wehren, weil man sonst Gefahr läuft, sein Lob im Kleinunternehmen ohne Kündigungsschutz zu verlieren. Trotz schwammiger Klauseln haben Kleinunternehmen oder outgesourcte Unternehmensteile, ohne eigene und ständige Belegschaft, das Unrecht gepachtet. Dagegen ist kein Arbeitsrecht gewachsen. Selbst gegen das ordentliche Kündigungsrecht vorzugehen, tut man vergeblich, denn in der ersten Instanz ist es immerhin für beide Seiten lieb und teuer.
Nur so am Rande: Gewinner sind die Anwälte, deren Bezahlung ist gesichert und die Judikative spart sich langfristige Arbeitsprozesse, denn dort wo heutzutage Bürokratie kraft Gesetz nicht mehr entsteht, spricht man auf europäischer Ebene von Bürokratieabbau. Viele Oppositionelle, dagegen, halten es für einen Abbau des Sozialstaates, nur nicht ganz so schlimm, weil es in Raten geschieht.
Auch dieses Spiel des Lebens ist so gewollt, und beginnt, gespickt mit funktionellen Anekdoten in Stellenangeboten (sprich Marketingclaim). Wann erkennen Verantwortliche endlich, das Stellenangebote als billiges Instrument für Performance-Marketing missbraucht werden? Warum sonst, sprießen solche Portale wie Pilze aus dem Boden? Etwa wegen des Fachkräftemangels? die Frage ist hierbei nur, wie ist dieses Unternehmensziel denn definiert? Etwa so: „Lohn nach Vereinbarung“, obwohl es Tarifverträge gibt, denn die finden ja keine Anwendung, denn nach Berufen sucht man nicht mehr, sondern nur noch nach Menschen, die funktionieren sollen.
Es soll ja schon Ausnahmefälle gegeben haben, wo Projektleiter 60 Prozent unter dem Tarif eines Verwaltungsfachangestellten verdient haben, nur weil es im Kleinunternehmen ohne Kündigungsschutz hieß, man müsse ja den Arbeitsplatz erst schaffen. In zwiespältiger Manier muss man sich verdient machen, sobald man dies aber belegen kann, beweist sich der Aberglaube. Argumente wie diese und andere werden angeführt, wenn man Eingliederungszuschüsse kriegen will. Dem Stellensuchenden nützt das Angebot nicht viel, der wird dann bei Ablehnung im Unternehmen lediglich als Feedback gezählt; der Einzelplanerfüllungskennzahl „Score“ auf der dafür gewidmeten Balance Score Card sei dank. Schön, dass es Controlling und Kennzahlen für jeden Einzelplan gibt, noch vermischt man das mit der Zielerreichung in der Demokratie, aber eigentlich steckt die Planwirtschaft dahinter. Je fundierter und kleinteiliger die Controllingmechanismen sind, desto stabiler auch der Neo-Kommun(al)ismus. Letzteres eine sogenannte Deafinition, eine Erklärung, bei der man besser die Scheuklappen auf die Ohren klappen sollte.
Und hinter dem Tarnkappenbombardement, für meinen Kollegen, der Journalist ist – und Ersatzleistungsbezieher, aber mehr als offensichtlich, Arbeitnehmerüberlassungen und Zeitarbeitsunternehmen. Welchem Bewerber nützt in diesen beiden Fällen schon ein Vermittlungsgutschein? Vermutlich fungiert der Bewerber hier (nur zu gerne hätte ich „hier“ ein Beispiel verlinkt) als Subventionsgehilfe; aber wie soll man sonst eine förderale Dienstleistungsplattform fördern und einen Stellensuchenden fordern, wenn es solchen Unternehmen von selbst nicht gelingt, auf einem gefakten Dienstleistungsmarkt Fuss zu fassen oder am künstlichen-intelligenten Wachstumspol anzudocken.
Manchmal fühlt sich mein Kollege aber durch diese Schnittstellen recht gut unterhalten. Da werden Tastaturexperten und Datenerfasser gesucht, dass wäre doch ein treffendes Argument für die New Economy, die in Einzelblasen immer noch zerplatzt, solange man uns Unterhaltungswerte und Public-Value zu schenken gedenkt. „Das macht Spaß und vermutlich deshalb gilt die Zumutbarkeit immer als erreichbar, schwer zu verklagen, diese soziale Bedrohung ist.“, so formuliert es gemeiner Kollege.
Düster erinnert er sich: „Und was einst ein Vermittlungsskandal war, mithilfe von Fluktuation – über unter unter 7 Tage die Woche – Einschaltungsgrade zu manipulieren, das ist seiner subjektiven Ansicht nach, ein für ihn dienliches Unterhaltungprogramm“. Die gemeineTeilhabe kann ich dennoch nicht als Eigenbemühung (ent-)gelten.
Aber was weiß mein Kollege, denn schon, der kann ja gar nicht schreiben; deshalb übernehme ich. Ich gebe ihm aber Recht, da es im Internet nicht darauf ankommt, was man sagen will, sondern anderen die Redefreiheit überlassen sollte. Mein Kollege will nur seine Gedanken als „Open Source“ und Testament für die freie Meinungsveräußerung hinterlassen. Ich vertrau‘ ihm mal, das er es ohne kommerziellen Hintergedanken tut, schlicht aus purem Alter-Egoismus.
Mein Gespür sagt mir, dass viele ihr Recht auf Selbstverwirklichung auch weiterhin der Gier nach Selbstverherrlichung anderer unterordnen müssen, irgendwie fühlt sich mein Kollege zurecht unterjocht. Aber auch ich fühle mich zugleich zuhause, in diesem Interpretationsspielraum.
Aber, dennoch wiegen noch so reine subjektive Empfindungen nunmal nicht so schwer wie objektive Arbeitsmarktzahlen. Für solche Interpretationen gibt in der Solidargemeinschaft keinen Platz, denn diese Interpretation ist nur der monopolistischen Polit-Elite vorbehalten und nicht den gesellschaftlichen Marionetten! Ausnahmsweise, vergebe ich meinem Kollegen diese subjektive Meinung und spendiere ihm einen IP-Platz.

von Johann Gottstein

Apropos „Zäsur fürs Internet“

Apropos

„Zäsur fürs Internet“

Meine Nebenwirkungen auf das Internet verstärken sich Tag für Tag. Jeder Bissen im Internetcafé, auf Meinungssülze und Süßholzgeraspeltes, sogar auf USB-Kabel und Mäusen verursachen nicht nur Kochschmerzen oder Hall-o-zinationen. Großes Übel verursacht mir unaufgeforderte Posts auf die Neues10 Updates oder Aufforderung, mich anzupassen – habe ich hier den buchstäblichen Haken fehlgedeutet. Ohne einen Haken zu setzen, läuft man fast schon Gefahr nicht mehr kommunizieren zu müssen.

Unterschiedliche Programmversionen zwischen Empfänger und Sender bergen ein solches Risiko und verzerren das getaggte Meinungsbild. Schnell wird es dann nicht mehr vollständig in heimischen Gefilden angezeigt, weil sich womöglich irgendein Proclaimer für den Größten hält.

Mit steigenden Nebenwirkungen werden meine Nerven überbeansprucht. Sollte ich auf manuelle Anpassungen verzichten oder einfach nur den Such(t)algorhythmus für mich sprechen lassen? Es wird doch Tag für Tag immer schwieriger für mich, den „Ausschalter“ überall zu drücken, wo er sich verbirgt – hinter verallgemeinerten Nutzungsbedingungen und vermeintlichen Datenschutzvorschriften. Sehe ich den „Ausschalter“ überhaupt noch oder sollte ich doch vielerorts nach einem verborgenen Scrollbalken oder deaktivierten Voransicht Ausschau halten? Ach so, könnte auch möglich sein, dass diese Funktionen mir nur noch ein weiteres Grabscherlebnis bescheren. Täte man dies mit Bildern, dann könnte man dies mit „sexueller Belästigung“ in einen künftigen Internetstrafenkatalog hineinschreiben; bloß das nicht.
Oder so zu einer Emanzipation gelangen: „Instagram löscht Bilder von einer Frau, die ihre Tage hat!“ Worauf sich die Betroffene, Rupi Kaur (https://instagram.com/rupikaur_/,) zu Wort meldet, dass sie mit einer Foto-Serie nur den Menstruationszyklus dokumentieren wollte. Ohne diesen Zusatz wäre bei mir der Eindruck entstanden, sie sei an diesem Tag zweifach betroffen und fühle sich ihrer Emanzipation beraubt. Es gibt in der Tat, für sie einen versesseneren Grund Fotos zu löschen, vor allem von Männern, die üppige Hinterteile von Frauen zeigen, die nur spärlich bekleidet sind.

Selbst in meiner versendeten Mail, können manche mich nicht als bekannten Empfänger identifizieren. Bevor sie zur eigentlichen Botschaft gelangen, stolpern sie zunächst über meine verborgenen Adress- und Betreff-Zeilen – das schafft vertrauen.
Bei jeder Nebenwirkungen mutiere ich immer mehr zum Nerd, früher hatte sich doch ein Techniker darum gekümmert. Ich laufe Gefahr, dass die nervigen Spielereien meine kreative Schreibarbeit für das Internet verbessern.
Es ist gut, dass ich das mal sagen durfte und aus diesem Partikel ein PDF machen kann. Es ist gut, dass ich auch andere Partikel in das Internet fracken kann, in der Hoffnung, diese Wahrheit würde eines TAG wieder zurück in die Oberflächenrealität gespült.

Im Prinzip will ich nicht dauernd aufgefordert werden, mein Interesse zu wecken und die noch nicht ganz so perfekten Borgimplantate appzugraden, die doch nur meinen kognitiven Geist assimilieren wollen. Bevor ich nicht mein gemeines Potential voll erschöpft habe – und auch das meiner bisherigen Programme –, will ich, Tag für Tag, den „Mainstream“ einfach ignorieren, so wie die über manche Schnappschüsse, für die man eigentlich Schnapsverbote erteilen sollte. Vielleicht gelingt mir die Perfektion mit ein wenig mehr #.

Im Prinzip geht mir auch der übrige Interaktivitätszirkus auf die Ostereier. Bei vielen Medientrommeln schleicht sich immer wieder eine Botschaft ein, überall dirt (schmutzig, oder besser: dort), wo ich gerade eine Nachricht lese, teilt ein Interaktionsalgorhythmus mit, dass ein anderer Partikel auch interessant für mich sei, bloss weil der aktuell gelesene Partikel ähnliche TAG-Kompositionen enthält.

Aus diesem Grund schreibe ich meine sozio-ökonomischen Interaktionstheorien nieder, weil der gegenwärtige Internetmissbrauch völlig verantwortungslos ist. Oder so: Denn schon infiltrieren soziale Netzwerke via Cloud, tragen über eine Tunnellösung „Bitte Software aktualisieren“ in meinen Kalender ein. Früher gab es nur bei Menschen, die mich kannten, einen schlichten Eintrag „Geburtstag, Jens T. Hinrichs“. Oder so. Habe ich das Thor irgendwo sperrangelweit offen gelassen oder einfach nur das übelste Kleingedruckte gar nicht erst gelesen und übersprungen? Halten Feinde wieder in Dosen zusammen und schieben Milliardensummen an Shareholder vorbei – oder war es doch nur der Fies-kus?

Das kommt davon, wenn man Interaktionsalgorhythmen als wesentlich intelligenter einschätzt als eine demokratische Solidargemeinschaft, die im übrigen auch aus konservativen Internetnutzern und Bürgerrechtlern besteht. Eine solche Haltung ist auf Dauer völlig verantwortungslos.

Am Ende dieses Partikels komme ich zu folgendem Schluss, das Internet ist verstört, weil es

  • den Aberglauben an die Unfehlbarkeit von Such(t)algorhythmen stärkt;
  • die Arroganz von Internetkartellen, wie bitte Wunschname eintragen mit jedem TAG aufs Neue nährt;
  • die Anmaßung von Jens T. Hinrichs ist, an meiner Stelle entscheiden zu können, dass eine Erzählung wie „Zäsur im Internet“ geschrieben werden musste und deshalb offline gehört;
  • den Aberglauben infrage stellt, das Internet und seine Komparsen wären innerhalb weniger Minuten installierbar, implementierbar und interpretierbar oder sogar infiltrierbar;
  • den Aberglauben nährt, dass Online-Marketing zweistellig wächst, weil man Etats ständig aufplustern muss, mit Kampagnen bestreiten und begleiten muss;
  • den Aberglauben verstärkt, Autovervollständigungen, Cookies und anonyme Surffunktionen seien inkognito und hilfreich, weil künstlich intelligent genug, um Bedrohungen zu vermeiden;
  • den Aberglauben nährt, Apps seien eigentlich keine selbstverherrlichenden Programme, sie automatisch einzubauen, sei schlicht gebräuchlich und unterstellt;
  • meine Zuversicht stärkt, sobald ich mal eine Liste sämtlicher Funktionen aufstelle und dann alles Unwichtige streiche, ein zensiertes Internet übrigbliebe, das ebenso als ein brauchbares Informationsmedium tauglich wäre.
  • Inzwischen habe ich bei all dem „Mainstream“ unterschlagen, dass ich auch Interaktionen für käuflich halte – spätestens seit der Übernahme von Instagram und WhatsApp durch Facebook.

    von Jens T. Hinrichs

    Apropos persönlicher Angriff

    Apropos

    Persönlicher Angriff

    Jedes hervorgebrachte Phänomen des Internets – sei es noch so einzigartig, allgemeingültig oder individuell – wird sich wi_derholen. Und dafür bedarf es keiner tieferen Logik oder einen Blick in die Privatsphäre anderer zu versuchen. Für mich ist es schlicht unbegreiflich, warum uns erst ein Whistleblower auf die Gefahren des Internets aufmerksam machen muss. Für meine sozio-ökonomische Forensik war jedenfalls kein Verrat nötig. Ich will doch nur Mahnwache stehen für kommende User-Teilchen, die sich jedem phänomenalen eDingsda hingeben. Wer will dagegen schon „offline“ sein und Patron stehen für laienhafte Selbstverherrlichung? Dem gesunden Menschenverstand will ich eine chronologische Anleitung hinterlassen, auch auf die Gefahr hin, dass ich den Opferlaien auf den Leim gehe und sie gemeiner Masche entrinnen.

    von Jens T. Hinrichs

    APROPOS REINKARNATION!

    Wissen Sie, was eine wirklich fürsorgliche Kultivierung und Datenbankpflege für den Nutzer ausmacht? Diese Frage stelle ich mir immer wieder.

    So schwierig es auch für Internet_pioniere sein muss, anfangs einen geeigneten Partner zu finden, um die Cloud aufzublähen, umso schwerer dürfte es sein, die Nutzer bei der Stange zu halten, ohne dabei seine Internet-Blase unkontrolliert entleeren zu müssen. Das richtige Unterhaltungsallheilmittel zu finden oder später dann die Appleger in die Selbstständigkeit zu entlassen, dürfte dabei auch eine bedürftige Unterhaltungsrolle spielen.

    In diesem Sinne werden ständig Sonderanreize geboten und als Hilfestellung für die Verbesserung des Nutzerinhalte angepriesen, um ihren Downtimes ein wenig auf die Sprünge zu helfen – statt sie einfach aus der Datenfalle zu befreien. In der Tat – so einfach ist es, immer eine Fußnote im Internet zu belassen, um im Bedarfsfall die Reinkarnation des Nutzers einzuleiten.

    Angesichts der Mühen des Alltags wollen uns soziale Netzwerke gerade nicht nur in der Freizeit, sondern auch während der Arbeitszeit, die eine oder andere Entspannung und Wohltat gönnen. Soziale Netzwerke empfehlen uns, wenigstens ein TAG für … oder interessante Orte auf der IP-Umgebung zu markieren oder die Such(t)maschine mit einem Rat zu entdeckten.

    Zwischendurch lohne es sich, das eine oder andere Veto einzulegen oder in nahegelegenen Freundeskreisen einzukehren, während man über die eigene Schönheit des Selfies und angrenzender Fakes sinnieren kann. Und wer weiß, vielleicht juckt Nutzer der Appzugsfinger, mit dem ihm ein guter Schnappschuss gelingt. Dann sollten sie unbedingt an einem initiierten Interaktionsimpuls, zum Beispiel an einem „Stigmatisiere-mein Interesse“-Wettbewerb teilnehmen! Das soziale Netz freut sich auf unsere Pinup-Versuche und wünscht uns eine schöne lange Weile Zeit und viel Spaß beim Liken neuerer Wiederbelebungsversuche!

    von Jens T. Hinrichs

    Gemeiner Astroturf versus Apropos selbstironisches Lippenbekenntnis

    Gemeiner Astroturf versus Apropos selbstironisches Lippenbekenntnis

    Dem Autoren, Jens T. Hinrichs, dieser Machenschaften muss man einmal die Leviten lesen. Nur ihm selbst mag es gelingen, seine Botschaften zu transportieren und zu verstehen. Der Autor hätte sich doch besser einen Lektor genommen, gerade weil es sein erstes Buch ist. Das nächste Mal täte er besser daran, sich einen Verlag zu nehmen. Ich zweifele jedoch daran, dass er einen finden wird – bei dieser komplexen Sachlage. So tragisch es auch für den Autor sein mag, das Social Web kommt eben doch nicht um eine Lektorat herum. Ich spreche da aus Erfahrung. Ich will dem Autor aber seinen Fleiß zugute halten. Aber auf den zensierten Blick, wäre ihm mit deutlich mehr Engagement eine bessere Sprache und Schreibstil gelungen. Sein Potential ist erkennbar. Seine ach so verblümte und machmal rosige Sprache hätte Jens T. Hinrichs zu einer Menge von Straußen binden können. Mit ein wenig mehr Geduld wäre ihm auch zum vorherigen Satz ein aussagekräftiges Selbstbildnis geglückt. Nur weiter so. Einfachheit halber sollte er verständlichere Phrasen wählen und nicht oft wiederholte Sätze. Deshalb ist die Botschaft nicht so eindeutig, wie Jens T. Hinrichs meinen möchte. Zurecht streut er längere Geschichten oder Dichtungen mit ein. Dabei sollte er sich aber vergewissern, ob er nicht lieber Sachbücher statt Belletristik schreiben möchte. Wie er von sich selbst sagt, stellt er die Sache, also die Botschaft, über den kommerziellen Erfolg. Der Wechsel in das Genre Sachbuch könnte ihm zu einem breiteren Leserpublikum verhelfen. Garantiert ist ihm das zwar nicht, doch ein Versuch wert, denn die Grenzen zwischen einem Sachbuch und der Belletristik sind in Bezug auf die Literatur über das Internet sehr fließend. Internet-Satire gibt es zumal kaum und selbst mit einer noch so ausgefeilten Mundart bleibt ihm das kritische Publikum verschlossen. Ich bin aber zuversichtlich, dass eines Tages reifere Worte aus seiner eigensinnigen Feder stammen werden. Vielleicht versucht er sich mal als Verleger, aber das weist Jens T. Hinrichs von sich; er würde sonst zu wenig zum Schreiben kommen. Bei künftigen Blitzgedanken sei ein wenig mehr Obacht angebracht.

    Apropos // Surfen auf der Welle 2.0

    Apropos

    Surfen auf der Welle 2.0

    Meiner Ansicht nach scheint eine Enzyklopedia genau das Richtige zu sein, um die nötigen Einblicke zu verraten, die den Zugriff auf das Internet erleichtern sollen.
    Am Anfang war das Internet nichts womit die b_reite Masse etwas anzufangen wusste. Ohne ein Bewusstsein zu haben, war es sozusagen unentschlossen. Die Frage „Soll ich mich in irgendeinem Masse überhaupt der breiten Öffentlichkeit stellen?“ existierte nicht und war Nebensache.

    In seinen ersten Versuchen öffnete es sich nur spärlich, gab nur Dinge preis, mit denen nur elitäre Kreise etwas anzufangen wussten. Sowohl das Maß als auch die Masse beschränkte sich auf das Notwendigste. Gegen diese schöne Welt hatte man kaum Vorbehalte. Darüber äußerte und veräußerte man sich nur selten.
    Seinen vermeintlichen Boom verdankte es der dann später geplatzten Internetblase; allerdings reagierten seine sozio-ökonomischen User-Teilchen mit einem Evolutionssprung, dem Webzwonull. Als auch diese rezessive Ernüchterung nichts half, tat sich das Social Web als ein schier unendlicher Rettungsversuch hervor. Leider krochen mit ihm auch die Datenkraken empor. Vor diesem und kommenden Unheil soll nun mein Aberglaube schützen; den ich, geliked nach Briefen, prophezeienden Katastrophen und Glaubensbekenntnissen in wissenfiltr für die Nachwelt hinterlasse. Diese Methoden sind erforderlich, denn „neuerdings“ 1) wird ja auch gecloud.

    von Jens T. Hinrichs

    1) Der Begriff „cloud“ wurde bereits im Oktober 2002 von der Harvard Business School in der urheberrechtlich geschützten RSS 0.92 Spezifikation verwendet. Quelle: http://backend.userland.com/rss092

    Apropos Astroturf

    Neulich sprach man mich auf meine Motive an und unterstellte mir, dass meine Ansichten zu oberflächlich und subjektiv seien. „Ist das Social Media etwa nicht?“, entgegnete ich.
    Liebe Astroturfer, meine Lektüren und Anekdoten sind keine Speichelleckereien; sie sind tiefgründiger als man im ersten Antlitz vermuten kann. Laien und Experten müssen meine Zeitreise mit gelegentlichen Zeitschleifen erst einmal überdauern, bevor sie vorschnell urteilen und damit meine Ansichten zu Sternenstaub zermalmen. Überle_en Sie gut.
    Für mich habe ich den Entschluss gefasst, so lange darüber zu sinnieren, bis mich etwas Außerirdisches stoppt. Bis dahin dürft ihr mit mir ein Leben lang streiten und auf meinen Sprüchen herumreiten.
    Wem ist das nicht genug, dem sei gesagt, Motive gibt es auch in Form von Bildern. Und da es sich um eine Zeitreise handelt, nenne ich meine Motive auch Karikat(o)uren – insbesondere für diejenigen, die weder lesen können noch schreiben wollen.

    von Jens T. Hinrichs

    Apropos überschätzt und unterfordert!

    Erst hieß es Webzwonull. Damit war gemeint, dass nach der Kommerzialisierung des anarchistischen Internets eine neue Phase der Rückbesinnung auf die Wurzeln entstehen sollte. Im Webzwonull sollte dann wieder ein fröhlicher Hauch der Ursprünge einziehen, wo jeder mit jedem vernetzt sein konnte und frei und ungeniert sagen konnte „Eve ist doof“. Eve hätte dann einen Link setzen können auf einen Artikel einer Zeitung, aus dem hervorgeht, was für ein Troll Ed ist, der Eve doof findet. Und ein paar hundert – mehr oder weniger – Anonyme würden der Aufforderung folgen: „Diskutieren Sie mit: Ist Eve doof?“

    Es ist die große Überschätzung einer Idee, aus sozialen Medien eine Bürgergemeinschaft zu schaffen, die lokale, regionale und globale Probleme durch ganz schnelle Kommunikationspfade und mithilfe navigierter Handlungskoordinierung löst. Die Überschätzung der Idee kommt schlicht aus der Unterforderung der Nutzer durch soziale Netzwerke. Mit sozialen Netzwerken kann lediglich die Werbewirtschaft etwas anfangen; für das überschätzte Ideal taugt es nicht. Mögliche Erklärung: Es soll ja auch nicht dafür taugen. Nutzer könnten das Angebot im Sinne ihres überschätzten Ideals einsetzen, werden aber instrumentalisiert durch die Eigentümer. Das ist etwa so, als würde der Hersteller von Schachbrettern verbieten, Schachfiguren zu schnitzen, aber jeden fördern, der Miniaturkrieger schnitzt. Damit würde die Möglichkeit zur Meinungsvielfalt von einer Zahl n gegen unendlich auf eine Zahl x gleich 10 reduziert.

    Am meisten nervt der Sprachgebrauch. Alle sozialen Netzwerke und Akteure haben sich eine Terminologie zugelegt, für deren Verständnis man erst einmal einen Sprachkurs belegen müsste. Ich weiß nun einmal nicht, was ein „Cookie“ sein soll. Beim Englischlernen in der Schule war das ein „Keks“. Das war auch irgendwie klar verständlich, aber heute? Was stellen diese Cookies dann an? Wer kriegt die, wer nutzt die, wofür braucht die jemand? Es wird nicht klar, und mir wird verschwiegen, was ich selber anrichte, wenn ich Cookies benutze. Es ist technisch relativ einfach, zu bloggen, zu taggen, zu shitstormen, zu followen, auf „like“ zu klicken, zu pingbacken, tracken oder etwas auch permanent zu bookmarken – aber warum muss das alles so kompliziert ausgedrückt werden, dass man es nicht einmal durch die Erklärung versteht, weil die wieder eine neue Cloud nebulöser Anglizismen produziert? Jens T. Hinrichs hat Karikat(o)uren unter dem Titel „Social Media ist …!“ und hundertmal mehr kritische Anmerkungen verfasst. Sie alle zeigen vielfache Facetten davon, was das vermeintliche soziale Netz anrichten kann. Und wenn Sie noch mehr wissen wollen und schon jetzt auf den Geschmack von Cookies gekommen sind, heimsuchen Sie Jens T. Hinrichs auf Facebook, Google+, Twitter & sonstwo. Wollen Sie sich aber mit Cookies den Magen nicht verderben, dann hält Jens T. Hinrichs es für besser, ihm eine Grußkarte zu schreiben, dass ist auch öffentlich, aber viel persönlicher.

    Diesen Beitrag schrieb Hannes Nagel für „Das Flugblatt“ im Musenverlag. Redigiert von Jens T. Hinrichs. Als Lohn veröffentlichte Jens T. seine ersten Versuche als Karikaturist.