Gemeiner Astroturf // Moral der unendlichen Geschichte 1

Gemeiner Astroturf // Moral der unendlichen Geschichte 1

DIE CHRONIKEN über Social Media ist …! widme ich meinem Neffen, M. F. und meiner Nichte, I. C.. Ihre Geburten markierten anfangs Beginn und Ende der ersten Chroniken über „Social Media ist…!“
Ihre bloße Existenz bestimmt teilweise auch die turnusgemäße Erscheinungsweise weiterer Fortsetzungen gleichnamiger „wissensfiltr“.
Mögen Euch die darin enthaltenen Anmerkungen und Schlussfolgerungen als sozialer Kompass nützen. Ich bin guter Hoffnung, dass sich beide einen Augenblick lang mit dieser kritischen Lektüre befassen, bevor beide alt genug werden, sich vom sozialen Netzwerken verführen zu lassen und Teil oder, schlimmer noch, Eins werden mit dem User- Generated Content. Werdet keine blöden Blogger und spart nicht auf Datenbanken, wie viele andere vor Euch.
Opfert dafür keine freie Zeit, genießt die Zeit anstelle von Flatrates. Gebt mehr Acht auf kritische Stimmen. Zu meiner Zeit gab es konstruktive Kritik in dieser Form noch nicht. Aber seid gewarnt, früher oder später packt Euch die Versuchung doch. Ich hoffe, Ihr findet einen sozialverträglicheren Lösungsweg für zeitgenössische Fragen und könnt auch den Such(t)maschinen widerstehen.

Algorhythmus // Datenwolkenlied

Algorhythmus

Datenwolkenlied

Hinter den Datenwolken,
dort wo die Freiheit wohl grenzenlos zu sein scheint,
alle Sorgen, sagt man, kann ich mir, von dir ausborgen, denkt man,
überall dort, wo es richtig erscheint,
Datenschutz nichtig, Privatsphäre klein.

Über den Datenwolken,
dort wo die Freiheit wohl grenzenlos zu sein scheint,
alle Sorgen, sagt man, kann ich vor dir verbergen, denkt man,
überall dort, wo es richtig erscheint,
statt geben und nehmen, kämpft um euer User-Leben.

In den Datenwolken, dort wo die Freiheit, uns einst entzweien könnte,
alle Sprüche, sagt man, die ich noch für euch erfinden werde, gedenkt man,
überall dort, wo es richtig erscheint, meine Unworte zu verbieten.

Unter den Datenwolken,
dort wo die Freiheit, einfach ist und unentschlossen sein kann,
alle Sprüche, sagt man, die ich für euch einst erfand, gedenkt man,
überall dort, wo es richtig erscheint, meine Mundart feilzubieten.

Lyrik von Jens T. Hinrichs

Backlinks to 1984 // Lesenswert – iPhone OS Webentwicklung

Backlinks to 1984

Lesenswert: Professionelle Applikationen für WebKit-Browser

Die lückenfreie und sogleich schrittweise Schilderung der recht komplexen Materie deuten zweifelsohne auf eine lange Erfahrung des Autors hin.
Seine Zuneigung zum iPhone und zu den damit verbundenen Entwicklungstechnologien sind unverkennbar – Vorsicht Ansteckungsgefahr.
Die fachlich präzisen Ausführungen sind ein gelungenes Zusammenspiel mit seinem Freund und Autorenkollegen, Alexander Ebner.
Das Buch richtet sich an jene, die Standardisierungen lieb gewonnen haben, aber Hypertext Markup Language (HTML) und Cascading Stylesheet (CSS) für ausgereift hielten oder wegen mangelhafter Alternativen scheitern mussten.
Eine nicht unwesentliche Quintessenz des Buches: Tabus werden gebrochen. Displays verlieren ihre Unberührtheit und konservative Anwender dürfen sich auf bewegte Bilder freuen.
Getrieben vom Open Source Gedanken werden nun neue Anforderungen vorgestellt und sukzessive erfüllt. Sich für den Open Source Press Verlag entschieden zu haben, dürfte daher keine Überraschung sein.
Selbst Entwickler namenhafter konkurrierender Technologien kommen so auf den Geschmack. Lange Zeit dürstete es auch Amateuren nach mehr. Mit diesem Buch kann definitiv der Anfang auf professionelles Terrain glücken.
Aufgrund einer Vielzahl von Kapiteln können Webdesigner das Buch als Anleitungslektüre begreifen, auch wenn ihnen wenige Passagen fremd und unerschlossen bleiben. Idealerweise dient das Buch als anregende Anleitung, Programmierinterfaces und Programmieransätze auszuprobieren sowie Tipps und Tricks kennenzulernen.
Querverweise sollten Leser daher unverzüglich nutzen. Folgen sie den Programmier- und Installationsanleitungen, wenn sie den roten Faden nicht verlieren und nahtlos an ihr eigenes Projekt anknüpfen wollen.
Überspringen sie Kapitel nur dann, wenn sie einschlägige Erfahrungen im Umgang mit Javascript und CSS mitbringen.
Der Autor Patrick Lobacher bringt zurecht seine Projektkompetenz ein. Nutzen auch sie die Konfrontation mit vergangenem Wissen, denn als kleiner Projektleitfaden ist dieses Buch unverzichtbar und hilft ihnen den Methodenwechsel zu meistern.
Trotz Unerfahrenheit in der Programmierung und fachüblicher Anglizismen kommen Leser ohne Referenz-Literatur aus. Schwermütigen fehlt es womöglich an einer CD. Jedoch wird der Leser entsprechende Verweise auf Internet-Quellen und Installationsanleitungen keinesfalls vermissen.
Bei diesem Buch ist Interaktion gefragt, wie sie es von einem mobilen Endgerät erwarten würden – zeigen sie sich experimentierfreudig.
Der Anteil pessimistischer Leseratten wird trotz schnelllebiger Entwicklungstendenzen verschwindet gering sein.

Buch gelesen und rezensiert von Jens T. Hinrichs

Quellenangabe:

Autor: Patrick Lobacher
ISBN-13: 978-3937514864
Erscheinungstermin: 26. Juni 2009
Broschiert: 316 Seiten
Verlag: www.opensourcepress.de

Backlinks to 1984 // Feedback: RIA World 2009

Backlinks to 1984

Feedback: The Rich Internet Application World 2009

The RIA World 2009, in Munich, was a great experience for me. I recognized new principles and practises of script languages and programming techniques. HTML 5 and CSS3 are made for developer dummies. I fall in love with event handler and find my luck in magic beans. Nonetheless, it is a lot work to bring programming, design and content into an orchestral balance. In doing so, I cannot believe in specialists. The ongoing success of an better internet is a question of OpenSource, e.g. Webkits, and collaborative Workflow between competitives and decision makers in hoping they won‘t forget the users, because innovative techniques are nothing without acceptance.
I point out and this is not quite new there is just one web or we have to understand the whole internet as one maschine.
The mobile phone in our hand is just a link to it.
Anyway, after RIA World I believe in developing widgets, mobile optimization of conservative websites and whatsoever, e.g. maybe payable content itself and co-existence between advertisement and video streaming, animated and entertainment interfaces.
I think that the end of every static pages and TV as we know is near. It is up to us to discover and adapt these opportunities – stay tuned.

from Jens T. Hinrichs

Kolumne // Apropos tafelfertig – Großes Phishing, kleine Fische

Kolumne // Apropos … Daumen!

Apropos tafelfertig – Großes Phishing, kleine Fische

von Jens T. Hinrichs

„Das Internet ist wüst und seine Oasen müssen kultiviert werden“, sprach einst vermutlich ein Journalist, der nun keiner mehr sein wollte, weil er vor kurzem seine Unabhängigkeit erklärte und mit diesen Worten zur Revolte aufschrie. Dieses idyllische Refugium schuf er sich, weil er Erkenntnis und Lebenselexir zu seinen erleuchteten Verbündeten aufblühen lies, um mit ihnen dem Sand der Zeit und dem Zenit der Sonne zu trotzen. War es ihm bewusst, dass ihm eine gläserne Zukunft auflauerte. Dennoch hat weder ihn noch jemand seine Worte mit einer noch besserer Feder besiegt – was er mit wiederlicher Schwafelei kundtut.

Irgendwann, ein Mal, müssen sich Prosumenten mit den fruchtbaren Lenden ihrer Sämereien aufwiegen lassen. Dieses Ende ist aber noch lange nicht in Guckweite. Eben dieses Ende ist nur das Allheilmittel zum Zweck, das den Wissenhunger und die Alltagsdürre zu stillen vermag. Irgendwann, zwei Mal, sucht uns die Blütezeit heim, aber nur kurz. Davor und danach oder bis zum nächsten Mal können nur Nomaden, Karawanen und Wüstentiere – also reine Spezialisten – der trügerischen Überlebensraum etwas Sündhaftes abgewinnen.

Fernab dieser gläsernen Idylle gleicht es einer liquiden Oberflächlichkeit auf dem Schiffer segeln. Die Pracht, die sie auf ihre Schultern luden, wird eine in Maschen gewobene Unzahl kleiner Fische sein. Die Schiffer sind auf Fahrt immer Obacht, dass ihre Pracht auch ja nicht vertilgt den übernächsten Hafen erreicht. Was sie aber dabei aus den Maschen verloren, auch noch unverdorbene Fische sind, die noch viel kleiner sind als die, die sie beim letzten Hafen mit in ihre Maschen zogen. Doch was sie vergassen, war es die Maschen enger zu ziehen und sie wieder kleinere Fische verloren und mitunter größere Fische verdarben. Sie wussten um ihr Handwerkszeug, doch das es bei all der Pracht und der Überfahrten zu anderen Häfen, auch das Leben selbst einen Zyklus hat, hatten sie schlicht aus ihrer Erkenntnis gelöscht. Auch ein Bei-Fang von größeren Fischen nützt an dem reich gedeckten Überbleibsel nix.
Doch was außerdem vergassen, das einzelne Fische in einem Schwarm gegen Raubzüge dieser reif überlegten Tafel noch viel bessere Überlebenschancen haben. Und wir wollen auch nicht vergessen, was uns der Chaosmos lehrt: Die Natur findet immer immer einen Weg. Und deshalb werden noch so kleine Fische dem Maschen entwischen. Und bei all der reif überlegten Tafel sollten große Schiffer und kleine Fische nicht auf den kommerziellen Quotenfang setzen. Ihr glaubt es nicht? Was hat der Journalist denn vergessen, etwas das Quotenfang verderblicher sind als keimende Sämereien, also nix anderes sind als Sprossen. Daran sollte sich Fische immer wiederlich erinnern. Warum sollte man es nicht mit einer Revolte versuchen und in unbekannte Untiefen flüchten. Selbst dort lebende Gemeinschaften sind autark und erhalten Besuch von der liquiden Oberflächlichkeit.
Insbesondere noch so neue Pracht auf neuere Schiffe zu laden (oder zu löschen), müssen die Allmacht an Verantwortung in Balance halten. Bevor es zu spät ist und die Pracht auf Überfahrten zu kentern droht oder verloren geht. Kann man die Havarie denn überhaupt nicht überwinden und verloren Gegangenes (ver)bergen? Aber vielleicht strandet das Vergangene in den besagten Untiefen, so die Hoffnung des versagten Journalisten.
Aber die Kapitäne und die Hafenmeister glauben noch an die Pracht, die sie auf sich nehmen. Ist der Hafen, ein drittes Mal, erreicht, wird die Pracht ohnehin gelöscht, ohne wirklich zu verschwinden. Und damit es um der Wahrheit willen auch kein zähes Ende nimmt, wartet auch schon wiederlich eine neue Pracht, mit der das Schiff beladen auf Überfahrt gehen soll. In etwa verhält es sich mit Webinhalten. Werden Webseiten mit Content ungleich beladen, so droht das Schiff samt Pracht abzusaufen. Um Himmelswillen sollte man seine Pracht auch gleich auf ein ganze Flotte verteilen. Dadurch scheint die Pracht ganz besonders sicher zu sein, denn es gilt dann nur noch mit jeder Art von Seemannsgarn die Havarie der gesamten Flotte zu vermeiden. Geteiltes Leid ist dann halbes Leid. „Halbes Leid“ ? Je nach dem viele Schiffer an der Reederei beteiligt sind, ist das viel weniger. Entspricht eher einer Allokation der Wertschöpfungsprozesskette, ohne zu wissen wie viel diese in Maschen gefangenen Fische wert sind. Auch Schiffbrüchigen und blinden Passagieren will man mit dieser Maschenformat zu einer sicheren Überfahrt verhelfen.

Aus gutem Grund zählen Piraten und Meuterer oder geläuterte Journalisten nicht dazu. Warum das so ist, davon muss man sich erst einmal im Praxistest überzeugen. Aber auch noch so jede bunt-gemischte Mannschaft kann durch Küstenwache, Lotsen und Epidemien gestoppt werden. Nicht selten auch durch ein falsches Zusammenspiel, das man dem menschliches Versagen zuspricht. Selbst wenn ein viertes Mal ein Schiff in der Flotte einer versammelten Reederei verloren zu sein scheint, kann die Pracht leichter geborgen werden, denn trotz Risiken und Abenteurer auf hoher Überfahrt, wartet immer wieder eine neue Pracht oder ein Geisterschiff wird gerade ausgemacht oder gerade ein noch viel schöneres Schiff vom Stapel gelassen oder ein überholtes Schiff aus der Werft entlassen oder ein vermeintlich moderneres Schiff empfängt eine neue Taufe.
Befürchtet man, dem Durst zu erliegen oder gehört man zu denjenigen Bedrohten, die Fressen oder gefressen werden oder zu Letzteren, die weder Lebensmüh‘ noch Zeitnot scheuen oder gar unerschrocken sind?
Unentschlossenen sei gesagt, die Antwort kann noch durch eine Fata Morgana und einen Tiefenrausch verschwommen oder an Unbehaglichkeit übertroffen werden. Dennoch ist bereits unstrittig: Konsumenten produzieren selbst und Produzenten lassen ihre Schiffe steuern! Nicht einmal muss man beides wollen – fusionieren tun beide Seiten durch ihre Präferenzen, ist doch klar. Aber müssen wir weitere Häfen und Ladezeiten billigen, wenn es doch reicht die Route zu präzisieren? Lasst uns doch mit dem Gedanken spielen und dem Schiffe versenken zusehen. Revoluzzer lehnen sich derweilen zurück, sie haben ohnehin nix von der Reederei, sondern nur fragwürdige Schiffsbeteiligungen.

Postings gegen das Vergessen // Lippenbekenntnisse zur Europapolitik – Wahlkrampf im Kreuz

Postings gegen das Vergessen

Lippenbekenntnisse zur Europapolitik – Wahlkrampf im Kreuz

Am Sonntag, den 7. Juni wird das Europäische Parlament neu gewählt. Gehen sie hin? Warum tun sich Wahlverdrossene, zu denen ich mich einst zählte, nur so schwer damit? Ginge es nur darum, einen Stift in der Hand zum richtigen Kreuz und Parolen zur gerechten Sache zu führen, um vielleicht ein wenig mehr Farbe zu bekennen – und mehr noch, den uns heiligen Sonntag in aller Herrgottsfrühe mit einem Kaffee zu begrüssen, dann wäre der Gang zur Wahlurne nur halb so müßig … Schade nur, dass die Wahlpflicht kein Laster ist, sondern als Bürde empfunden wird.
Doch die scheinbare Last trügt, denn sie ist die pure Wahrheit, die einem Betrug an etwas völlig Selbstverständlichem gleicht, nämlich, das das Wahlrecht, das uns auferlegt wurde, ein Privileg für alle ist. Insbesondere für die Bürger, die etwas aktiv mit in Europa und der Welt verändern wollen, anstatt sich als Bürger von der Politik verwaltet zu fühlen – und zwar souverän und alles andere als unbequem.
Und wenn es den Bürgerwählerschichten nicht reicht, können die ihre geheimen Wählerstimmungen in einer öffentlichen Petition kundtun. Das Privileg zur geheimen und freien Wahl gegen irgendein soziales Unrechtsempfinden einzutauschen bleibt allen Wahlverdrossenen vorbehalten.
Allerdings hat dieses Spiel mit dem Zünglein an der Waage meine Zustimmung nicht verdient … Schaden zufügen tut nur, wer der Wahl und aller damit verbundenen Privilegien überdrüssig geworden ist, zum Beispiel, frei und geheim zur Wahlurne gehen, sich der Bürgerlast entledigen oder sich als Kandidat einer Wahl stellen zu dürfen … Schaden tut nur, wer seine Stimme einäschert, indem man die Wahlurne zu Grabe trägt und damit auch das Privileg erlischt, zum Beispiel, seine Bürgerpflicht, sein Wahlrecht auszuüben. Schade nur, das Wahlrecht keine Pflichtkür ist und immer noch als Joch empfunden wird.

Ein Lippenbekenntnis aus den Memoiren von Jens T. Hinrichs

Postings gegen das Vergessen // Lippenbekenntnisse zur Arbeitsmarktpolitik – Nichts als Pakt_lüstern

Postings gegen das Vergessen

Lippenbekenntnisse zur Arbeitsmarktpolitik – Nichts als Pakt_lüstern

Nur wenige Arbeitsmarktverantwortliche folgen dem Aufschrei Ausbildungsplätze bereitzustellen. Und viele beklagen weiterhin den Fachkräftenachwuchs, während bereitwillige Ausbildungssuchende vor Jugend strotzen. Doch sie sind wie Geld in schlechten Wirtschaftszeiten rar geworden. Arbeitgeber stehen nun vor der Entscheidung, ob sie über ihren eigenen Bedarf hinaus ausbilden wollen oder ob sie über ihren eigenen Schatten springen, wenn auch die Rente für alle versichert sein soll. Also stoppt das Getuschel – Ran an die Bewerber, wenn wir nicht schon beim Run ans Budget verenden oder daran ersticken wollen.

Ein Lippenbekenntnis aus den Memoiren von Jens T. Hinrichs

Postings gegen das Vergessen // Lippenbekenntnisse zur Arbeitsmarktpolitik – Jetzt wird abgerechnet

Postings gegen das Vergessen

Lippenbekenntnisse zur Arbeitsmarktpolitik – Jetzt wird abgerechnet

Schluss mit dem Pressebombardement der Bundesagentur für Arbeit, das die meisten wohl nicht länger ertragen wollen und viel zu lange erdulden mussten. Manche haben es vielleicht wegen der ekzessiven Lobhudelei oder Erfolgsduselei des verharzten Reformübereifers einfach ausgeblendet, da man sich nicht länger veräppeln lassen wollte oder nicht anders konnte, weil die eigenen, mit der Bundesagentur für Arbeit gesammelten, Erfahrungen irgendwie nie so richtig mit dem Image und den Kampagnen übereinstimmten. Subjektive Erfahrungen schienen lange Zeit kein besserer Ratgeber zu sein. Doch einst wird kommen der Tag, an dem ich für gemeinen Anteil als interne Personalie, als Scheitelpunkt von Aktenbergen, abrechne mit den Fehlkalkulationen, seinen beliebigen Interpretationen und all den Verrechnungsmarotten, zunächst tief in meinen Gedanken und vor dem öffentlichen Interesse verborgen – bis meine niederen Beweggründe zu einem öffentlichen Bekenntnis herangereift sind.

Ein Lippenbekenntnis aus den Memoiren von Jens T. Hinrichs

Bürokratie in Rätseln // Was auch Bürger über den Bürokratie-TÜV wissen sollten

EuCh12 / Bürokratie in Rätseln

Was auch Bürger über den Bürokratie-TÜV wissen sollten

Mit dem international bewährten Standardkostenmodell sollen Bürokratiekosten für Verwaltung, Wirtschaft und Bürger messbar werden. Hierzu wurde eigens der Nationale Normenkontrollrat geschaffen. Im letzten Jahr unterzog er die Wirtschaft einer Erstuntersuchung. Die Ergebnisse offenbaren spürbare Entlastungen. Jetzt sollen weitere Bürokratiekosten auf den Prüfstand.

„Jede Norm, Berichtspflicht oder Statistik hat es einmal eine Rechtfertigung gegeben. Kann man etwas nicht einfacher machen? Kann man auf eine bestimmte Statistik oder Berichtspflicht nicht verzichten?“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem wöchentlichen Podcast.
Ausdrücklich betont sie die Unabhängigkeit und lobt die Arbeit des Gremiums. ln der Tat ist der NKR www.normenkontrollrat.bund.de –> Startseite von Konsultationen abhängig, die Vertreter der Bundes- und Landesbehörden im Rahmen sogenannter Amtshilfe erfüllen. Daneben können an Externe beauftragte Gutachten und Anhörungen der Wirtschaftsverbände anfallen. Die Bundesregierung hat dem NKR gegenüber den Zugriff für die bei der Messung der Bürokratiekosten erhaltenen Daten zu gewähren.
Das Statistische Bundesamt hat die operative Durchführung der Erhebung inne, welche im Detail auf der Webseite www.destatis.de/DE/ –> Zahlen & Fakten –> Indikatoren –> Buerokratiekosten geregelt sind. Die Ministerien sind für die Untersuchungsergebnisse verantwortlich.
Entgegen den Empfehlungen des NKR wird sich die Bundesregierung mit einer bloßen Gesamtbetrachtung begnügen. Auf diese Weise haben die Bundesministerien rund 11.000 Informationspflichten der Wirtschaft im Bundes- und EU-Recht ermittelt. Als Einsparpotenzial sieht Müller, Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten in der bayerischen Staatskanzlei, insgesamt 2.100 Informationspflichten, welche rund 27 Milliarden Euro verschlingen.
Unterm Strich wurde eine Nettoentlastung von 7 Millionen Euro erreicht. Die Bürokratiekosten sollen bis 2011 um weitere 25 Prozent gesenkt werden. Im Dialog mit Unternehmen und Verbänden wolle man sich nun die Hälfte aller kostenträchtigen Informationspflichten vornehmen, die 80 Prozent der Bürokratiekosten ausmachen. Ein ehrgeiziges Unterfangen, denn immerhin stützen sich Akteure auf über 300 initiative Bemühungen oder 40 Seiten Papier.

Spielraum bei der Interpretation

Der Transparenz der bisherigen Ergebnisse (siehe Abbildung 1) muss an dieser Stelle besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der potentielle Prüfer für den Bürokratie-TÜV müsste eingreifen, sobald die Entwicklung der Nettoentlastung erheblich hinter der Entwicklung der Gesamtkosten zurückbleiben. Dann könnte auf eine verbesserte Netto-entlastung verwiesen werden, die aber im Vergleich zu steigenden Gesamtkosten nur marginal ausfiele. Prozentual ist eine explosive Überraschung möglich. Das käme auf den Reformeifer künftiger Legislaturperioden an. Man achte doch besser auf die Proportionen. Der Prüfer sollte weiter relativieren – Netto ist nicht gleich Brutto.
Die Verantwortlichen haben vorgesorgt, denn es werden nur typische Verhaltensweisen betrachtet. Die Ergebnisse werden umso präziser werden, je rationaler sich Meldepflichtige verhalten. Einfach in der Theorie, schwieriger in der Praxis. Eine weitere Schwierigkeit liegt in der Vergleichbarkeit der Arbeitsschritte konkreter Meldepflichten. Eine Arbeitsbescheinigung für Arbeitgeber lässt sich nur schwer mit der Einkommenssteuerklärung für Erwerbstätige vergleichen.

Das Ex-ante-Verfahren (siehe Abbildung 2) darf deshalb nicht per se eine beharrliche Lösung versprechen. Im Sinne des Gesetzes zur Einsetzung eines Normenkontrollrates (NKRG) wird
auf Informationspflichten abgestellt, die natürlichen und juristischen Personen entstehen (siehe Abbildung 3).
„Andere durch Gesetz, Rechtsverordnung, Satzung oder Verwaltungsvorschrift entstehende Kosten sind nicht umfasst“, wie es in der Verwaltungssprache heißt, versteht nun wirklich jeder Bürger. Also, Bürokratiekosten sind nur lnformationsverpflichtungen, nicht die Ausgaben eines Staatsapparats – unabhängig von seiner Größe. Da wären die laufenden Belastungen durch regelmäßige Meldepflichten nicht inbegriffen. Daneben basieren Messungen auf Schätzungen. lnformationspflichten der Bürger und Verwaltungen derzeit nicht „mitgerechnet“.
Der Bürger braucht nicht lange auf Ergebnisse warten. Der Nationale NKR hat für die Ausstellung einer Arbeitsbescheinigung exemplarisch vorgerechnet (siehe Abbildung 4). Wird das Berechnungsschema mit Ausnahme der Fallzahl beibehalten, dann verursachen 39 Millionen Erwerbstätige Bürokratiekosten in Höhe von 16,1 Milliarden Euro, und dass allein auf Seiten der Finanzämter. Um den tatsächlichen Zeitaufwand zu würdigen, könnte jeder Steuerpflichtige bei seiner bevorstehenden Einkommenssteuererklärung seine Bearbeitungszeiten stoppen. Leider müssen
Wartezeiten auf Steuerrückerstattung außer Acht gelassen werden.

Kostentransparenz zwischen Theorie und Praxis

Der NKR soll den Ministerien zu einer Kultur und Sensibilität der Kostentransparenz verhelfen. Bei allem Respekt, Kostentransparenz nützt bei defizitären Haushalten gar nicht, wenn es am sensiblen Umgang mit Geld mangelt. In der Vergangenheit waren lrrtümer über diesen Zusammenhang nicht ausgeschlossen. Eine gute Kultur muss sich überdies empirisch belegen lassen, Zeit und Geduld um sie zu entfalten.
Folglich kann die Qualität erst später emporkommen. Schätzungen bedürfen einer besseren Quantifizierung. Die Kanzlerin sprach hingegen noch von einer präzisen Messung. Die Vorstellungen von Effektivität und Effizienz scheinen auseinander zu driften. Experten muss an dieser Stelle aber nicht gleich der Atem stocken. Mit der Methodenanwendung ist es halt so eine Sache – was in der Theorie erprobt ist, bewahrheitet sich in der Praxis noch lange nicht. Könnte hier ein Paradigmenwechsel für Aufklärung sorgen? Der Staat fragt den Bürger, welche Informationen er ihm preisgeben möchte. Die zukünftigen Ergebnisse über die Informations-pflichten der Bürger werden zeigen müssen, inwiefern lnformationspflichten und dazugehörige Kosten offenbart werden, denen sich der Staat kraft Gesetz bemächtigt hat (Stichwort:
Onlinedurchsuchungen und Vorratsdatenspeicherung).

Das wird wohl eher nicht der Fall sein – bei strenger Auslegung des Gesetzes sind dies nunmal keine lnformationspflichten.
Der Einfluss des NKR wird sich an dieser Grauzone und weit darüber hinaus messen lassen müssen – besonders Datenschützer waren bisher nicht beteiligt. Die Vertreter der Regierungen und ihrer Ressorts schienen befangen gewesen zu sein, da sie ein unabhängiges Gremium schufen. Was anfangs noch in hitzigen Debatten bestritten wurde, hat sich eben doch erwiesen: Die befürchtete „Expertokratie“ hat ein Gesicht bekommen. Seither sind gut anderthalb Jahre vergangen.
Nach Worten der Bundeskanzlerin Angela Merkel würde es sich lohnen, heute noch einmal genauer hinzuschauen. Auch morgen werden Wirtschaft und Bürger wissen wollen, ob sich die „Innovation“ für sie gelohnt hat, die nach Worten der Bundeskanzlerin Arbeitsplätze verspricht und Deutschland wettbewerbsfähiger machen soll.
Unterm Strich bleibt festzuhalten: Alle Beteiligten müssen mit Bürokratie jederzeit rechnen. Von den Kosten mal ganz zu schweigen. Auf welche Informationspflichten würden sie verzichten.

Abbildung 1

Abbildung 1 – Bürokratieabbau

Abbildung 2

Abbildung 2 – Bürokratieabbau

Abbildung 3

Abbildung 3 – Bürokratieabbau

Abbildung 4

Abbildung 4 – Bürokratieabbau

von Jens T. Hinrichs