Furcht und Elend in Europa in schrecklicher Tradition // Die getürkte Demokratie – Der Pfusch an der Mauer

Postings gegen das Vergessen

Die getürkte Demokratie – Der Pfusch an der Mauer

Aus dem Beige Book „365 Tage mehr oder weniger Jahre Furcht und Elend in Europa in schrecklicher Tradition“

von Cybrfunkr und Jens T. Hinrichs

Post-Moderne Staatsstreiche ruhen weder sanft noch leise.
Zuletzt aufgeweckt vor rund 19 Jahren und 142 Tagen.
Muss man denn schon wieder um Laizismus feilschen?

Und den Mauerfall zwischen Religion und Staat zelebrieren?
Nur diesmal gibt es für die türkische Synthese weder Anode noch Kathode.
Politische Interventionen durch Militärs nicht in die Neuzeit gehören.

Gescheiterter Ausnahmezustand verdient sich deshalb auch kein Prädikat.
Nur ein Postulat, das des politischen Kalifats.

Das Reichtstagsbranding funktioniert auch am Bosporus.
Den Dunst der Stunde der Patrioten wirkt aufgedunsen.
Leiser Startschuss für politische Internierung.
Türken verstehen sich im Saubermachen.
Politisches Kalifat nun vollendet werden kann.

Die Geschichte lehrte sie nicht, weil Tabus sie faszinieren.
Und Gerüchteküche Fassungslosigkeit zum Überkochen zwingt.
Der Selbst-Erhabene von Gottes Zeichen, gesegnet,

soziale Netzwerke zu funda-menta-li-sie-ren versteht.

Eine tolerable Leitfigur.

Denkmäler vom Atatürk bekommen Spiegelbilder.
Volk streichelt dem Wolf nicht das Zwerchfell.

Tag des Gedenkens an den Pfusch zur Huldigung des Selbst-Erhabenen von Gottes Zeichen gequirlt,

so steht es nun geschrieben im zerrissenen Kalenderblatt.
Noch verborgen in nasser, unsichtbarer Tinte.
Was Geschichtsschreiber darüber berichten, nur nicht in der Türkei zu lesen sein wird.
Die, die es überliefern wollen, im Exil willkommen sind.
Im Nirgendwo, dort, ist es grausamer als Daheim.

Der 200 Tag des Jahres 2016 nun unter Tränen gemixt.

Man menschenwürde sich nicht an Putschisten rächen,
alles ausufere im Rahmen des Gesetzes.
Menschenwürde die Todesstrafe verabschiedet,

auch alles im Rahmen der Rechtsstaates ausufern könne.
Die Verurteilung zum Tode dann in Rache ummünzen kann.

Selbst-Erhabener von Gottes Zeichen, gesegnet, nennt es ein Geschenk.
In der zivilisierten Welt man aber noch türkischen Honig umtauschen kann.
Selbst-Erhabener von Gottes Zeichen, gesegnet, reicht der westlichen Welt seine rechte Hand zum Faschistengruß.

Selbst-Erhabener von Gottes Zeichen, gesegnet, badet im Wohlgenuss.

Macht, Schluss mit seiner Unzufriedenheit.

Verdrossene Demokratie ertrinkt in verflossener Menschenwürde.

Nun schwimmen sie daher. Kritiker schwinden dahin.
Verblendung so in türkischen Marmor gemeißelt wird für alle Zeit.
Türkischer Mamor wieder neu verblenden muss, Verblendung restaurieren muss.
Doch Türkischer Marmor wächst nicht, aufbäumen.

Ewiger Zyklus, der jedoch durchbrochen war, jedoch Antizyklus neuen Schwung einverlaibt.

Klassenfeinde sterben so nie aus, wenn man Personenkult vertraut.
Kalte Krisen wiederbelebt, wenn man Patentrezepte aus dem Ärmel kotzt.
Zukunft nur gestalten kann, wenn man nicht die Vergangenheit ignoriert.
Zukunft nicht gestalten kann, wenn man nur ein einziges oder ziviles Opfer toleriert.
Und künftige Träume malt, indem man Mitschuld vertuscht.

Mein Kurzhaar sträubt sich.

Vor den Followern des Selbst-Erhabenen von Gottes Zeichen, gesegnet.
Doch Mitleid empfinde ich für sie.
Auch für Rotkäppchen gab es ein Happy-End, nachdem es gefressen wurde.
Lernen sie daraus?
Generationen aber herauswachsen können.
Vergissmeinnicht, dass ihr, die zivilisiert seid,

den türkischen Honig vom Mund und Zünglein rein waschen könnt.
Militärisches Diktat abgewendet, getauscht mit dem Roten Teppich des präsidialen Kults.
Eine falsche Masche(,) und nicht, Geschmacksache ist.

Notstand indiskret: Bildungsdekret.

Duales System nur noch Regierungstreu zu sein hat.
Nationalstolz spuckt in die Suppe künftiger Putschisten.
Das Schächten der Intellektuellen droht,

denn studieren geht nur noch über rezitieren.
Im Europoly ein Einweglos ins Gefängnis.

Hausgemacht, von und mit E-erblassen.

Selbst-Erhabener von Gottes Zeichen, gesegnet,

fühlt sich zur selbständigen Rechtsfindung berufen.
Ein verbindliches Verfahren ist
und einen fixen und fertigen Ausbildungsweg allein für sich gepachtet.
Solche gemeinen Rechtsgutachten amputieren die Opposition.
Hoffentlich gibt es keine Infektion.
Denn sonst droht eine Blutvergiftung.
Eiter satt, statt Heiterkeit;
für sie ward Dankbarkeit nur kurz,

denn Niedertracht ist eh’ von Dauer.

Kristallnacht nicht nur in sozialen Netzwerken.
Stellvertreterkriege sind gute Reimporte.
Bloß neue Ethikkette.

Und auf fremden Straßen ausgetragen.
Nichts anderes als souveräne Subkultur.

Für die man keine Autonomie ausrufen darf.

Selbst-Erhabener von Gottes Zeichen, gesegnet, verachtet Schmähkritik,
sie sei eine Einmixung in innere Angelegenheiten.
Ruckedigu, aber andere Europäer schlüpfen für ihn gerne in Jesuslatschen.
Diesen totalitären Beischlaf dringend brauchen, wo auch immer sie versagen.
Keiner legt Zeugnis ab, alle aber Partei ergreifen.
Für kritische Worte gilt immer die propagandistische Divisionsregel:
Zwei kritische Worte werden dividiert, indem man das 1. Wort mit dem Kehrwert des 2. Wortes publiziert.

Präsidiale Demokratie in Beton,

geradewegs am Scheideweg.

Schnurstracks zur Diktatur der Einparteien.
Denkmal für die Ewigkeit, das gemeinen Rechtsgutachten ebenbürtig ist.
Unterdessen Einreiseverbot für Verhältnismässigkeit.

Ihr Wagemut das Zünglein an der Waage ist;
das und das bedauern sie beides nicht.

Des Wagemut und des Zünglein Spiegelbild zu sein.
Spieglein, Spieglein an der Mauer,

hat nun kein Zünglein mehr, das widersprechen kann,
da Mauer nun geschminkt ist, mit Partei-Standarten.

Autor: en bloc thesis

Journalist, a.D. (außer Dienst). Ich bin gezeichnet und gleichsam entkräftet, mobilisiere nun meine Kontakte aus alten Tagen. Ich bin immer noch vom Journalismus überzeugt, auch wenn ich selbst nicht viel Glück damit hatte. Womöglich hatte ich mich zu sehr auf meinen Grundsatz “The answer how to question something is whistleblowing. The rest will be killed by free speech.” verlassen und deshalb keinen Stich gelandet. Welch' Ironie des Schicksals.