Postings gegen das Vergessen // Anmerkungen zum Nationalsozialismus

Postings gegen das Vergessen

Anmerkungen zum Nationalsozialismus

von Pinocchio G., Don Q. Mancha und Jens T. Hinrichs

Die Bekämpfung des Nationalsozialismus und seine Überwindung hat Europa einst zusammengeschweißt. Die Machtergreifung war die Konsequenz mehrerer Ursachen.
Flüchtlingsströme sind keine unlösbaren Probleme, sondern die Auswirkungen mehrerer Ursachen, unter anderem Krieg und Vertreibung. Die Schlepper sind ein Teil des Problems. Der Islam treibt Flüchtlinge nicht nach Europa, sondern Terrorismus und totalitäre Staaten. Flüchtlinge werden von Hunger und Not angetrieben. Der Wille zu überleben und die Zuversicht, dass ihnen Hilfe zuteil wird und die Selbstbestimmung, auf ihr eigenes Schicksal positiven Einfluss zu nehmen, wird ihnen von Rechtspopulisten verweigert und erschwert durch unnötige Internierung. Wirtschaftliche Interessen sind ein Teil des Problems. Die Humanität ist versperrt. Den Rechtspopulisten steht nur noch der demokratische Kollaps im Weg. Dazu ist ihnen selbst die direkte Demokratie ein willkommenes Rezept.

Die Überführung einer parlamentarischen Demokratie hinzu einer direkten Demokratie würde den verbotenen Parteien und Kräften in unserem Land ein Mandat verschaffen. Rechtspopulisten würden damit die Legitimation erlangen. Das ist wie eine diplomatische Immunität bei Strafverfolgung. Das ist wie eine Amnestie für begangene und künftige Volksverhetzung. Das ist wie die Partizipation an der Demokratie, die sonst keine Wähler oder gewählte Minderheiten finden würde. Das wäre die Politik, die zum Wählerverdruss und zu geringen Wahlbeteiligung führen würde.
Rechtspopulisten würden sich an einer direkten Demokratie nur laben, abseits von der tertiären Gewaltenteilung, insbesondere der Legislative, die damit quasi entmündigt wäre. Selbst wenn Verfassungsbeschlüsse gefasst würden, wären Rechtspopulisten nicht sehr beeindruckt. Eine direkte Demokratie ist verlockend, aber langsam. Politikfelder sind nur
schwer auszumachen. Die Facetten, der ihr zugrunde gelegten Ergebnisse und Erhebungen sind nur schwer nachvollziehbar. Die Feinabstimmungen würden in einem Debakel und nicht in einer Debatte enden.

Eine direkte Demokratie funktioniert nur mit Demokraten, nicht mit Rechtspopulisten. Rechtspopulisten haben mit Demokratie nichts am Hut, das ist das fatale daran.

Es wäre geradezu töricht, den Rechtspopulisten glauben zu schenken, denn ihr Denken und Handeln glaubwürdig ist. Ihr Denken und Handel ist total-elitär ausgerichtet, daher sind sie auch nicht tauglich, für die Masse die Regierungsgeschäfte zu führen und aus diesem Grund sind Rechtspopulisten auch keine Demokraten.

Republikaner behaupten auch, das sie demokratisch sind, sich aber aus gutem Grund nicht Demokraten nennen. Das ist eine nur schwer zu ertragene Tatsache. Oder wollen wir in einer parlamentarischen Demokratie mit sozialer Marktwirtschaft und Rechtsstaatlichkeit künftigen Wahlmännern und -frauen die Entscheidung darüber überlassen, wer mit der künftigen Regierungsbildung beauftragt werden soll. Die Demokratie darf dieses Risiko nicht verantworten.
Wir vermissen eine europaweite Entnazifizierungsstrategie, die die Entwicklungsstadien und Erscheinungsformen als verfassungswidrig ächtet. Das Ergebnis könnte Europa wieder zusammenschweißen und die radikale Spreu vom demokratischen Weizen trennen. Demokraten müssen das Risiko eingehen, auch auf die Gefahr hin, dass es Europa endgültig entzweit. Es wäre sozusagen eine gestellte Vertrauensfrage an die Demokratie und die Legitimation der Europäischen Union.
Wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass wir mit Argumenten überzeugen müssen und nicht, indem wir mit dem Finger auf die vermeintlichen Sündenböcke zeigen. Und uns nicht der propagandistischen Mittel bedienen, die derzeit in rechtspopulistischen Bildkampagnen im Internet zutage treten. Rechtspopulismus verbreitet sich wie Pornografie im Internet – unverschlüsselt, ungefiltert, erreichbar über jede Bild-Suchmaschine.

Die Internetlinguistik und die „Kommentare“ in sozialen Netzwerken dürfen sich nicht um weitere Unwörter erweitern. Keiner schreitet gegen „Google-Bomben“ ein, die sich plakativ, einzig und allein, gegen die CDU als Volkspartei richten. Schon bei der nächsten Suchanfrage könnte es eine andere Partei sein.
Wer behauptet, eine ganz bestimmte demokratische Partei zu wählen, sei ein Verbrechen, der gehört dem „kriminalen Staat“ zugeführt. Die Löschungen müssen über die Anstrengungen in sozialen Netzwerken hinausreichen. Eine Bombenentschärfung ist keine Zensur, sondern rettet die Demokratie.

Man muss den Quellen auf die Schliche kommen und nicht die Auswirkungen löschen. Und wer diese Auswirkungen fürchtet, der sollte nicht alle Kommentare zulassen. Es wäre legitim und hilfreich „Kommentare“ stehen zu lassen und zu tracken oder URLs und Profile zu deaktivieren. Die Verschleierungen einer IP-Adresse ist kein Hindernis.

Die kollektive Löschung in sozialen Netzwerken darf nicht mit dem individuellem Recht aufs Vergessen vermischt werden. Ein Recht aufs Vergessen haben diejenigen verwirkt, die Cyberhetze im Netz betreiben. Ein Recht auf Vergessen dürfen diejenigen wieder beanspruchen, die resozialisiert sind.
Darüber hinaus erkennt man Rechtspopulisten daran, dass sie zu sehr über Islamisierung sprechen und weniger über Muslime. Das Problem sind auch nicht zu wenige Christen. Die Probleme sind zuviel Abendland-Idylle und die Parole „Was früher gut war, ist auch heute nicht verkehrt“: Brücken- und Wegezölle, Faustrecht, Fehden und Selbstjustiz, Großmütterchen mit Kopftuch bei der Kartoffelernte, Hexenverbrennung, Kinderarbeit im Kohleabbau, Kollonialherrschaft, Kreuzzüge, Lehnherrschaft, öffentliche Läuterungen und Hinrichtungen, Oberbefehl über Monarchie und Aristokraten, Pestilenz, Pranger, Prügelstrafe, Raubrittertum, Schauprozesse, Tauschhandel u.v.m – für alle wünschenswert, die selbst nicht das Opfer sind. Dagegen wären nur Eliten gefeit. Deshalb darf man Rechtspopulisten auch nicht die Demokratie überlassen.

Niemand kann sich in einer Abendland-Idylle sicher fühlen, schon heute sind es: Sozialdemokraten, CDU, Journalisten, Verfassungsgerichte, Staatenlose und Flüchtlinge. Wollen wir darauf warten, dass es noch mehr werden.
Das Resultat auf die Rückbesinnung zu den Wurzeln einer Abendland-Idylle gleicht eher den Vorstellungen an einen Gottesstaat und der Scharia. Die westliche Zivilisation war über all diese Dinge hinweg. Warum ist dieser Rückweg nicht ausgeschlossen?

Sehr wahrscheinlich liegt es an der dauerhaften Konservierung alter Lebensgewohnheiten, der Analphabetisierung und der abstrusen Vorstellung, man müsse sein Land von der Außenwelt und seinen Umwelteinflüssen abschotten. Damit dies gelingt, werden Hinweise auf frühere Zivilisationen und Geschichtsepochen eliminiert und das Überlebensbewusstsein des selbstbestimmten Menschen gebrochen. Das gesellschaftliche Zusammenleben formiert sich zu einer Doktrin, die in alle politischen Bereiche und zivilen Lebensräume eingreift. Rechtspopulisten haben mit dem IS eine Gemeinsamkeit: Sie bedienen sich derselben Dynamik, nur sie können ihre Absichten besser verbergen. Die Propaganda ist eine Waffe, der radikale Mob ihre Scharia.
Je länger diese Missstände vorherrschen, desto weniger wird es selbstbestimmte Menschen geben, die noch den Mut haben, sich dagegen zu erheben. Aber was könnte ein Mensch denn schon vermissen, außer diese Tatsache und damit die Erkenntnis, das da etwas faul ist. Und damit ist die verlorene Zivilgesellschaft und der unterdrückte Mensch wieder auf Hilfe von Außen angewiesen. Die Eingreifer kann nur hoffen, dass seine Intervention nicht in einem ähnlichen humanitären Katastrophe endet, die sich zurzeit an Europas Grenzen abspielt. Man stelle sich mal vor, was geschieht, wenn diese Dynamik ein weltweites Bewusstsein entwickelt. Nichts.

„Good knit, and good link.“

Autor: en bloc thesis

Jens T. Hinrichs, Journalist, a.D. (außer Dienst) und Selbstverlag (dauerhaft geschlossen). Glaube fest an den Grundsatz “The answer how to question something is whistleblowing. The rest will be killed by free speech.”