Zweiter Brief an die Lokallisten

Zweiter Brief an die Lokallisten

Man stelle sich entblößt vor, dass Einzugsgebiet Ihres Landkreises wäre ein souveränes Staatsgebiet. Dann fände man sicherlich hiesige Großbetriebe, die in ihrer Branche selbst ernannte Exportweltmeister oder Blue-Chips auf den Parkettbörsen wären – mit aller aufgebürdeten Selbstverpflichtungen und mit der besten Selbstzurschaustellung. Gleichzeitig stünden sie als Garant für die regionale Wirtschaftsleistung. Unterm Strich verbündeten sie sich zur Ausgewogenheit an subsumierter Steuerleistung.
Ein Grund genug für Sie, ihre privilegierte Steuerlast dieser souveränen Wirtschaftsregion zu widmen, so gut es ihrer Kaufkraftvitalität zugemutet werden kann. Mit beiden Augen schiele man aber auch auf ihre regionalen Nachbarn. Nicht zuletzt auf die schönen brachen Lande jenseits der Finanzschauplätze, die unseren Anwohnern Arbeitsfron und Lohnnatur geben oder Entlassungsgewissheit und Bedarfssätze spenden.
All diejenigen Vereine, Freiberufler und Subkultur schaffende Mitmenschen möchte man geradezu an die Hand nehmen, um ihrem Landkreis „beizuwohnen“. Auch ihre Ideen und Gedanken können dabei helfen, die Wissenslücken anderer Lokallisten zu schließen. Die Welt ist doch ein Dorf oder etwa doch nicht? Und wer lokal agieren will, muss auch global denken. Deshalb sollten sich auch Subkulturen nicht abschotten oder von Verantwortlichen isoliert betrachten werden.

Sofern auch ihre Meinung mal für eine Subkultur anfällig ist, sind ihre Meinungen – egal, wie individuell, außergewöhnlich oder wie unbedeutend sie vorschneller Verallgemeinerung nach zu sein scheinen, eine Bereicherung für Sie und andere Meinungsäußerungen. Wer sich dieser Tatsache verschließt, hat auch keine öffentliche Legitimation oder ein gewähltes Mandat verdient. Als Gesamtbild stehen freie Meinungsäußerungen für ein regionales Ächtungszertifikat.
Um es auf den Punkt zu bringen, für eine Bevölkerung darf das Maß an inhaltlicher Vielfalt nie voll genug sein. Helfen Sie sich selbst, auch um ihr inhaltliches Maß ein wenig genährter auszufüllen und damit nachhaltiger auszudrücken. Letzten Endes werden wir uns alle darin widerspiegeln. Wollen Sie etwa, dass sich Ihr Gesicht im Gesäß eines lokalen Platzhirsches spiegelt.

Mit freundlichem Verdruss
Ed Event und Don Q. Mancha

Autor: en bloc thesis

Jens T. Hinrichs, Journalist, a.D. (außer Dienst) und Selbstverlag (dauerhaft geschlossen). Glaube fest an den Grundsatz “The answer how to question something is whistleblowing. The rest will be killed by free speech.”