Backlinks to 1984 // Lieber Snowden, lieber Snowden, was has(s)t du uns nur mitgebracht … (Teil II)

Backlinks to 1984

Lieber Snowden, lieber Snowden, was has(s)t du uns nur mitgebracht …

In the year of 2014, June 6 – Seit nunmehr einem Jahr sind wir überflügelt von der beknackten Tatsache, dass da kalte Kräfte am Werk sind, die uns ausspionieren. Oder sind wir gar erschrocken von der nackten Tatsache, dass unsere kalten Kräfte nicht über dieselben Fortschritte verfügen? Nun denn, wozu sind denn Spione überhaupt noch tauglich? Es reicht, lediglich den Spion zur Ader zu lassen, um sich an seiner sprudelnden Informationsquelle zu laben. Wann sind wir dieser Tatsache endlich überdrüssig? Mich wird es auch weiterhin nach diesem Lug und Trug dürsten, dafür schreibe ich dieses Beispiel.

Hat sich Snowden nun eines moralischen Sieges als würdig oder seiner Heimatwelt nur einen schlechten Geheimdienst erwiesen? Hat jemand überhaupt einmal Verständnis für sein Heimatland gezeigt und es als „Political Correct“ erachtet, dass Snowden nicht nur in geheimer Mission unterwegs war, sondern auch Doppelagent sein könnte. Vermutlich ging er vor seiner Enthüllung zu seinen Vorgesetzten, um im Sinne des öffentlichen Interesses, für noch mehr Informationsgehalt zu bitten. Als man seiner Bitte nicht entsprach, Snowden seine Seele zum ehrenhaften Profit an die Medien verschacherte, geradeso für einen faden Obolus.
Und dass nur, um seine Spuren mit der darauffolgenden Informationsflut fortzuspülen, geradewegs in die Öffentlichkeit; geradeso wie sich Fluten über furchtbares Land und mitten hindurch zwischen Mauer des Schweigens hindurchschlängeln – bis ins unfreiwillige Exil. Doch mit dieser Informationsflut, die er lostrat, auch Dreck emporkam, der nach abebben des Ansturms der Entrüstung über die Schmach, die er über sein Heimatland brachte, ein Abbild von Schlammschlachten hinterließ.
Zieht auch nur einer in Erwägung, dass es auch anders und später genauso hätte kommen müssen. Egal, ob Kopfgeld oder Erzählung, nur so am Rande wird eine Frage an Snowden haften bleiben – ist er Volksheld oder einfach nur Verräter. Die einen tadeln ihn, die anderen lobpreisen ihn. Man könnte für diese Tatsache auch ein anderes Bildnis zeichnen und weitere Verschwörungstheorien heraufbeschwören, nur um den Geheimdiensten einen anderen Blickwinkel aufzuzeigen, damit sie für andere Perspektiven legitimieren.

Und warum beschweren wir uns über die NSA statt vor den Thoren unserer Geheimdienste zu kehren. Profitieren wir nicht von beiden Erkenntnissen, den Enthüllungen von Snowden und der Erkenntnis, dass Geheimdienste nunmal fehlbar sind. Ein Übereinkommen könnte beinhalten, dass „bessere“ Geheimdienste genauso gut „schlechte“ Geheimdienste mit denselben Techniken ausstatten könnten, bevor wieder ein Dominostein aus der eigenen Reihe tanzt. Aber, dieses gläserne Szenario wäre uns nicht genehm und ebenso völlig uninteressant, selbst für den, der den Dominostein zum Grollen bringt.

Über diesen Tag schrieb Jens T. Hinrichs
in vertrauensvoller Absicht.

Autor: en bloc thesis

Jens T. Hinrichs, Journalist, a.D. (außer Dienst) und Selbstverlag (dauerhaft geschlossen). Glaube fest an den Grundsatz “The answer how to question something is whistleblowing. The rest will be killed by free speech.”